CC hronik von Bongard von Erich Mertes Kolverath
Wappen der Ortsgemeinde Bongard von 1987
IMPRESSUM  ISBN-Nr.: 3-00-011093-3 Herausgeber: Ortsgemeinde 53539 Bongard/Eifel A. D. 2003  Autor: Erich Mertes u. a. (siehe Inhaltsverzeichnis)  Auflage: 300 Druck: Druckerei Anders GmbH, 54595 Niederprüm  Copyright: Ortsgemeinde 53539 Bongard/Eifel A. D. 2003  Nachdruck und Reproduktion, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Herausgebers
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I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Grußworte Landrat Heinz Onnertz 	7 Verbandsbürgermeister Karl Häfner 	8 Ortsbürgermeister Peter Pauly 	9 Vorwort zur Geschichte von Bongard von Erich Mertes 10   Geschichtliches Erdgeschichtliche Ereignisse in unserem Land von Klaus Dickel 	12 Erdzeitalter in Millionen Jahre 	12 Kräfte aus dem Erdinneren von Klaus Dickel 	15 Archäologische Fundstellen um den Barsberg 	20 Untersuchungen über den Verbleib der Bongarder Funde 	24 Nachtrag zu den archäologischen Funden vom Barsberg aus der Römerzeit 	29 Zwei römische Bronzeinschriften vom Barsberg, Weihung und Patronatstafel (?), von Lothar Schwinden 29  Römische Geschichte unserer Eifelgegend anhand der Münzfunde vom Barsberg, Hönkelsberg, Hochkelberg u.a. 	34 Kurze Einführung der Kelten- und Römermünzen bei uns 	44 Der Barsberg in der Dissertation von Karl-Josef Gilles, Spätrömische Höhensiedlungen  in Eifel und Hunsrück 45  Der Barsberg in der wissenschaftlichen Arbeit von Karl-Heinz Koch und Reinhard Schindler, Vor- und frühgeschichtliche Burgwälle des Reg. Bez. Trier u.a. 	47 Vorgeschichtlicher Ringwall Barsberg/Bongard 	49 Das Naturschutzgebiet Barsberg 	49   Das Mittelalter Vom Mittelalter bis zur Neuzeit 51 600 Jahre Witterungsgeschichte von Dr. Wolfgang Zäck 	52 Die erste Erwähnung von Bongard in der Literatur 	56 Die Gesetze des Erzbischofs Balduin von Trier 1310 	57 Fürstentag in Koblenz 1338 	62 Die mittelalterlichen Höfe zu Bongard 	64 Der Hof zum Bomgarten um 1352 	64 Die Urkunde von 1424/1425 	65 Zur Trierer Zeitrechnung 	66 Die Bongarder Urkunde von 1424/25 im Originaltext 	66 Der Freihof zu Bongard 	68 Des freien Hofs zu Bongard Bezirk 	69 Die Nachfahren des Freihofs zu Bongard im 18. Jahrhundert 70 Der Kaler Hof bei Bongard 	71 Das Gericht Kelberg im kurtrierischen Amt Daun - Die Zenderei Bongard 	71 Die Heyerkapelle und die Geschichte Haus und Hof Heyer 	76 Leibeigenschaft in der Zenderei Bongard und im gesamten daunischen Gericht Kelberg 	82 Die alten Fruchtmaße in Bongard und im Amt Daun 	86
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INHALTSVERZEICHNIS   Die Neuzeit Die Neuzeit bis zur französischen Revolution 	87 Die Türkenkriege und ihre Auswirkungen auf Bongard 	89 Die Versorgung der Kriegsbeschädigten zur Zeit der Türkenkriege 91 Die Spaltung des religiösen Glaubens in der Zeit der Reformation 92 Die Auswirkungen der Gegenreformation in der heutigen Verbandsgemeinde Kelberg und Umgebung 93   Der 30-jährige Krieg Die Schweden waren nicht im Kreis Daun 	96 Der Krieg in der Verbandsgemeinde (VG) Kelberg 	99 Familien/Haushalte in der Zenderei Bongard 1563, 1625, 1654 101  Steuererhebung nach dem 30-jährigen Krieg 102 Die Steuererhebung 1651 in der Zenderei Bongard 	103 Die Vermögensschätzung der Bongarder Familien 1654 und ihre Herdsteuer („Rauch“) 	104 Elend und Not in den Zendereien Bongard und Kelberg nach dem 30jährigen Krieg 	109 Die Familien von Bongard in verschiedenen Jahrhunderten 	112 1563 - sechzehn leibeigene Familien in Bongard 	113 1625 - während des 30-jährigen Krieges 	113 1654 - nach dem 30-jährigen Krieg 	116 1733 - sechzig Jahre bevor die frz. Revolutionstruppen kamen 	116 1820 - bei Aufstellung des Urkatasters und Verzeichnis der Häuser 	118 1959 - Bongarder Familien mit Berufsangaben 120  2000 - Bongarder Einwohner mit Adresse und Geburtstag 121  Die Franzosenzeit Armut - Not, Proteste - Unruhe vor der Franzosenzeit 	128 Der Bauer an seinen Tyrannen 	129 Vor mehr als 200 Jahren französische Revolution in der Eifel 	130 Das Kelberger Land während der Franzosenzeit 	136 Zu Fuß von Mayen über Kelberg - Bongard - Oberehe nach Prüm Ein Reisebericht von 1799 	138 Die Dörfer der heutigen Verbandsgemeinde Kelberg und ihre politische Zugehörigkeit während der „Fränkischen Republik“ 	143 Die ersten Standesämter 	145 Eine neue Zeitrechnung 	146 Eifelsoldaten für Napoleon 	147 Als Napoleon I. viele Soldaten brauchte 151 Auch vor 190 Jahren wurden Kinder geimpft 	153 Kaiserlinden und Gedenksteine 1813 - 1913 	155  Die Preußenzeit Die Preußenzeit 	158 Weitere Nachrichten, die 1825 wichtig waren 	159 Fluren, Gemarkung, Kataster, Zusammenlegung 	160 Die Bongarder Flurnamen 161
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INHALTSVERZEICHNIS   Alte Hausnamen gemäß einer Ortskarte von Bongard um 1890 von Karin Ternes 	164 Armut im 19. Jahrhundert in der Eifel 	165 Wie unsere Eifeler Vorfahren lebten 	166 Bongarder Auswanderer von Stefan Müsseler 	169 Ein merkwürdiges Dokument aus dem 19. Jahrhundert 	174 Die Bongarder Mühle 	175 Die Einführung des Telefons in Bongard 	178 Die Bongarder Kapelle von Albert Bongartz/Klaus Dickel 	183 Umrechnung preußischer Maße in das metrische System   Der Erste Weltkrieg Die Gefallenen im Ersten Weltkrieg aus Bongard, Bodenbach, Borler und Gelenberg  Die Besatzung nach dem Ersten Weltkrieg im Kreis Adenau Ein Beitrag zur Geschichte der Besatzung von Hauptlehrer Nikolaus Britz  Notgeld im Kreis Adenau 1923 Die Einführung der Elektrizität in Bongard   Die Hitlerzeit Die Hitlerzeit in der heutigen Verbandsgemeinde Kelberg Bericht über den Amtsbezirk Kelberg an die Kreisleitung der N.S.D.A.P. in Mayen  vom 10.02.1936 Die Weidegenossenschaft in Bongard  Die Wasserversorgung Das Arbeitslager in Bongard von Annelie Diewald   Der Zweite Weltkrieg Der 2. Weltkrieg und seine Auswirkungen in der Zentraleifel  Ein britisches Flugblatt von 1941 Die Kriegsauswirkungen in unserer Gegend Eine lange Reise, die schließlich in Bongard endete von Stefan Müsseler  Die Gefallenen im Zweiten Weltkrieg von Karin Ternes  Nach dem 2. Weltkrieg Die Not der Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg  Die Gründung von Rheinland-Pfalz Der Wald in der Verbandsgemeinde Kelberg  Das Bauernsterben in der Verbandsgemeinde Kelberg Die Ortschronik Bongard nach der Schulchronik übertragen von Karin Ternes/Toni Bongartz  Die Schulchronik Bongard, übertragen von Lehrerin Luise Müller/Toni Bongartz  Der Kindergarten in den Jahren 1942-1945 Die Bongarder Bürgermeister von Karin Ternes  Bürgermeister Toni Bongartz wird erster Ehrenbürger von Bongard  Das alte Forsthaus am Barsberg von Drs. Peter Burggraaff Das alte Bauernhaus Eich – Nohner - Kettel - Hennen in Bongard von Dr. Klaus Freckmann  Ein philatelistischer Nachtrag zum alten Bauernhaus von Bongard
Die Bevölkerungsentwicklung in Bongard seit 1817  Von der Mark zum Euro  Eindrücke von Bongard bearbeitet von Klaus Dickel  Eifelheimat-Lied von Walter Bell Ansichten von Bongard  Häuser Leute Heim und Herd  Heuernte  Feldarbeit  Erntedank  Zeitung  Motorisierung  Waldarbeit  Im Steinbruch Ferien in Bongard, Text und Bild von Josef Sicken   Brauchtum in Bongard „Mainoicht“ 1. Mai von Irene Kirst/Stefan Müsseler  Eine etwas andere Beerdigung von Irene Kirst/Stefan Müsseler  Hillich von Irene Kirst/Stefan Müsseler Karneval Wenn die Glocken nach Rom fliegen von Irene Kirst/Stefan Müsseler  „Sieben Kreuzer beten“ von Irene Kirst/Stefan Müsseler  Das Bongarder Heiligenhäuschen von Stefan Müsseler  Barsberglied von Josef Sicken  Vereine Chorgemeinschaft Bongard 1908 e.V. von Karin Ternes  Die freiwillige Feuerwehr Bongard von Wilhelm Krämer  Sportverein Bongard e.V. von Adolf Rollmann  Theaterverein Die Bongarder Möhnen  Jünglingsverein Das Wappen der Ortsgemeinde Bongard und seine Begründung  Aus der Gemeindechronik Bongard Meilensteine der letzten 100 Jahre - eine Zusammenfassung  von Bürgermeister Peter Pauly/Toni Bongartz  Literatur Weitere Bongarder Urkunden in Archiven Ortschroniken und Bildbände die Verbandsgemeinde Kelberg betreffend
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I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Grußwort des Landrates  Die Ortsgemeinde Bongard kann auf eine stolze und bewegte Geschichte zurück blicken. Diese Geschichte soll in der vorliegenden Ortschronik Leben und Gestalt erhalten. ln unserer schnelllebigen Zeit ist es doppelt notwendig, die Erinnerung an die Vergangenheit wach zu halten und unserer Jugend weiter zu geben. Der Wert geschichtlicher Tradition und die Beschäftigung mit der Heimatgeschichte kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Die Besinnung auf die Vergangenheit und die Erkenntnis ihrer Leistungen und Fehler wird aber auch immer wieder neue Kraft spenden zur Meisterung der Gegenwart. Echte Tradition ist nicht nur ein Traum von der „guten alten Zeit", sondern auch ein belebender Ansporn zu neuem Schaffen und zur Fortentwicklung. Die Geschichte der Gemeinde Bongard ist zu allen Zeiten auch Geschichte Ihrer Bürgerinnen und Bürger und dem immer lebendigen Bürgersinn. Gerade in einer Zeit, in der man sich bisweilen überraschend bereitwillig von Hergebrachtem trennt, halte ich es auch für besonders wichtig, sich auf das, was war, immer wieder auch einmal zu besinnen. Hierzu leistet eine Ortschronik einen ganz besonderen Beitrag. Als Landrat des Landkreises Daun möchte ich allen Bürgerinnen und Bürgern, dem Ortsbürgermeister und dem Ortsgemeinderat im Namen des Landkreises, der Kreisgremien, der Verwaltung und persönlich recht herzlich zu dieser Ortschronik gratulieren. Mein besonderer Dank gilt Ortsbürgermeister Peter Pauly sowie dem Buchautor Erich Mertes, ohne deren persönliches Engagement diese Ortschronik sicherlich nicht zustande gekommen wäre. In diesen Dank möchte ich aber auch alle einschließen, die tatkräftig die Herausgabe einer solch umfangreichen Chronik unterstützt haben. Der Ortsgemeinde Bongard wünsche ich weiterhin eine gute Entwicklung, damit sich die  Bürgerinnen und Bürger auch in Zukunft in Bongard wohlfühlen werden.   Heinz Onnertz Landrat des Landkreises Daun
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GRUß WORTE
Grußwort  Wir Menschen leben zu Beginn des 21. Jahrhunderts in einer  äußerst schnelllebigen Zeit. Alltagshektik, Leistungsdruck und unbegrenzt zu scheinender technischer Fortschritt beherrschen uns fast vollständig. Zeit ist dabei allzu oft Mangelware geworden. Fast nebenbei stellen wir fest, welcher Wandel sich durch die mannigfaltigen Einflussfaktoren von Politik, Wirtschaft, Technik, Religion und persönlichen Lebensereignissen in unseren Dörfern vollzieht. In einer solchen Situation ist es gut, ab und zu inne zu halten, sich auf ererbte Werte zu besinnen und aus ihnen neue Kraft zu schöpfen. Mit der Einführung des Ortswappens im Januar 1988 wurde der erste Schritt zur öffentlichen  Dokumentation der örtlicher Identität der Ortsgemeinde Bongard gemacht. Viele ortspezifischen Entwicklungsmaßnahmen, vom Neubaugebiet über die Gestaltung des  Ortsmittelpunktes, bis hin zum neuen Bürgerhaus, schlossen sich an. Diese Maßnahmen sicherten den Bürgerinnen und Bürgen nicht nur die dörfliche Lebensqualität, sondern sorgten letztlich dafür, dass ein „Wir- und Wohlfühlgefühl“ in der Gemeinde entstand, ohne in Kirchturmspolitik zu verfallen. Die Erstellung der Ortschronik ist ein weiterer, folgerichtiger Schritt diese örtliche Identität zu  bewahren, erhalten, und letztlich weiter zu entwickeln. Archive im In- und Ausland, Kirchenbücher und private Sammlungen wurden in unzähligen  Stunden mühevoller Arbeit ausgewertet. Entstanden ist ein Buch, das uns die Vergangenheit erklärt, damit wir die Gegenwart besser ver- stehen kön-nen, und das auch zukünftige Generationen wertvolle Informationen bietet.  Die Ortschronik von Bongard ist sicherlich für die Bongarder Bürgerinnen und Bürger und alle  interessierten Leser eine spannende und lebendige Lektüre. Dazu beglückwünsche ich sie ganz herzlich. Dank gilt es auszusprechen dem Autor Herrn Erich Mertes (Neuwied) und den für das Layout des Buches verantwortlichen Herrn Klaus Dickel (Uersfeld), allen freiwilligen Helfern, sowie den Mitgliedern des Bongarder Ortsgemeinderates, allen voran Herrn Ortsbürgermeister Peter Pauly.  Ihr  Karl Häfner  Bürgermeister
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GRUß WORTE
Grußwort des Ortsbürgermeisters   Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, liebe Leser   Mit dem vorliegenden Werk wird Ihnen ein wesentliches Stück der Ortsgeschichte von Bongard und der umliegenden Region vorgestellt. In weniger als drei Jahren ist es gelungen, die Entwicklungsgeschichte unseres Ortes zu erforschen und in diesem einmaligen Gesamtwerk, für uns und für unsere Nachkommen, festzuhalten. Nur die tatkräftige Unterstützung vieler ehrenamtlich tätiger Mitmenschen machte es möglich, diese Fülle an Daten, Zahlen und Bildern in der kurzen Zeit zusammen zu tragen. Von ganzem Herzen sage ich an dieser Stelle allen „Danke!“, die auf irgendeine Weise einen Beitrag dazu leisteten, dass dieses wunderbare Stück Zeitgeschichte entstehen konnte. Stolz und dankbar möchte ich  vor allem jedoch Erich Mertes hervorheben. Ein Hobbyhistoriker und weit über unsere Kreisgrenzen hinaus bekannter Chronist, der sich wie wohl kein Zweiter in die Geschichte der Eifel vertieft hat. Als hauptverantwortlicher Autor hielt er bei diesem Buch die Fäden in der Hand, und er verstand es die vielen Einzelteile und Fragmente zu einer nachvollziehbaren, beeindruckenden Geschichte zu verbinden. Da sinnvolle Aufgabenteilung bereits in frühgeschichtlichen Berichten Erwähnung findet, hat sich Herr Mertes wohl gedacht: Warum bewährte Pfade verlassen?  So konnte er auch diesmal seinen langjährigen Weggefährten Klaus Dickel für die Mitarbeit an diesem Buch gewinnen. Herr Dickel übernahm den technischen Part des Buches, brachte die Texte und Bilder zusammen und bildete die Nahtstelle zwischen Autoren und Druckerei. Auch ihm gebührt ein besonderer Dank. Das Buch ist so gehalten, dass ein Leser, der in der Region aufgewachsen ist, auf den Spuren seiner eigenen Vergangenheit wandern kann und einen spannenden Einblick in das Leben seiner Vorfahren erhält. Geschildert wird nicht nur die Geschichte unserer kleinen, beschaulichen Eifelgemeinde Bongard, sondern auch wie sich die Ereignisse in der Welt, zum Beispiel die beiden Weltkriege, auf die gesamte Region und das Dorfleben auswirkten. So wünsche ich allen Lesern eine spannende, kurzweilige Lektüre, sowie viel Freude beim  Verarbeiten der gewonnenen Einblicke.  Ihr/Euer   Peter Pauly  Ortsbürgermeister
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GRUß WORTE
Vorwort zur Geschichte von Bongard   Als mich Bürgermeister Peter Pauly Ende 1999 anrief und fragte, ob ich die Ortschronik Bongard schreiben wolle, da knüpfte ich es an die Bedingung, dass ich sie zusammen mit Klaus Dickel von Uersfeld machen könne. Wir hatten in der gerade fertig gestellten Ortschronik Uersfeld so gut zusammengearbeitet, dass ich das nicht missen wollte. Klaus Dickel, ehemaliger Luftwaffenoffizier der Bundeswehr, der nicht nur die Texte kritisch prüft, vielmehr auch Text und Bild umbruchfertig in seinem Computer arrangiert. Die Gemeinde Bongard hatte keine Einwände, und auch Klaus Dickel und seine Gattin waren einverstanden. So konnte die gemeinsame Arbeit beginnen. Eine Ortschronik kann man nicht einfach daherschreiben wie eine Legende, denn Geschichte muss Historie sein, auf Fakten beruhend gemäß den Urkunden. Die Urkunden zur Bongarder Geschichte liegen verstreut in Archiven, wie dem Landeshauptarchiv Koblenz (LHAK), dem Bistumsarchiv und dem Stadtarchiv Trier, aber auch im Archiv Arenberg in Edingen/ Belgien u. a. Unsere Zeit ist wissend. Es ist daher sehr erfreulich, dass sich immer mehr Bürgerinnen und Bürger in unseren Eifeldörfern für ihre Herkunft interessieren. Und das Studium alter Urkunden ist eine spannende Zeitreise zu den Wurzeln unserer Herkunft. Auch in der Bevölkerung von Bongard fand die Herausgabe der Ortschronik allgemeine  Zustimmung, das zeigt sich schon an der regen Beteiligung des Arbeitskreises. So möchten wir uns denn für tatkräftige Unterstützung zunächst bei den Bongarder Heimatfreunden und -freundinnen bedanken, allen voran Bürgermeister Peter Pauly, dann Toni Bongartz, ehemaliger Ortsbürgermeister und Ehrenbürger von Bongard, den Damen Karin Ternes, Luise Müller, Irene Kirst und Gertrud Johannes (geb. 1909), sowie Willi Krämer, Josef Sicken, Edelbert Pauly, Adolf Rollmann, Günter Kerpen, Erwin Borsch, Albert Bongarts, Helmut und Martha Mayer (Bongard/Sinzig) und last not least Stefan Müsseler, der sich auch bereit erklärte, die Texte nochmal Korrektur zu lesen. Auch von der Verbandsgemeindeverwaltung Kelberg ist neben Bürgermeister Karl Häfner, dem Büroleiter Johannes Saxler, der Gisela Lambrich und der bereits erwähnten Bongarderin Karin Ternes für großzügige Unterstützung von Archivunterlagen zu danken. Bedanken möchten wir uns auch bei den weiteren Heimatfreunden und Wissenschaftlern für ihre Unterstützung bei der Erstellung der Bongarder Geschichte, so (in alphabetischer Folge): Peter Bauer, Mannebach; Drs. Peter Burggraaff, Kelberg-Zermüllen; Dr. Klaus Freckmann vom
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VORWORT ZUR GESCHICHTE VON BONGARD
Erich Mertes
Klaus Dickel
Freilichtmuseum Sobernheim; Dr. Karl-Josef Gilles, Trier; Marga Hennen, Bitburg; Hermann Hennen, Trier; Dr. Klaus-Dieter Kleefeld, Köln; Karl-Heinz Koch, Trier; Heike Marx, Kelberg; Nikolaus Hermann, Mannebach; Dr. Reiner Nolden, Trier; Lothar Schwinden, Trier; Karl-Josef Tonner, Daun/Kelberg; Markus Weidenbach, Ochtendung; Friedbert Wißkirchen, Daun; Dr. Wolfgang Zäck, Mayen. Mögen die nach uns kommen weiter forschen, denn die letzte Urkunde über Bongard haben wir  sicher noch nicht gefunden, dazu reicht ein Menschenleben nicht aus.   Erich Mertes Klaus Dickel
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VORWORT ZUR GESCHICHTE VON BONGARD
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GESCHICHTLICHES   Erdgeschichtliche Ereignisse in unserem Land von Klaus Dickel Zunächst ein Blick auf die Erdzeitalter
Markante geologische Ereignisse in der Eifel  Im Präkambrium begann die Erde unter 100°C abzukühlen, so konnte der obere Erdmantel zu einer mehr oder weniger stabilen Kruste erstarren und Wasserdampf kondensieren. Ein Wechsel von Landhebung und Senkung gestaltete das geologische Aussehen ständig anders. Vermutlich gab es eine Vielzahl von Kontinenten, bzw. Inseln, zwischen denen sich die Ozeane ausdehnten. Wie paläomagnetische Messungen an kambrischen Gesteinen vermuten lassen, hatten die Kontinente eine völlig andere Lage zueinander als heute. Im Erdaltertum stand ein Superkontinent „Gondwana“ (Süderde) einem Kontinentalbereich „Laurasia“ (Norderde) gegenüber. Die Tethys, ein breiter Ozean trennte die Landmassen voneinander. Mehrere Kleinkontinente und Inseln verteilten sich im riesigen Ozean. Der Äquator durchschnitt Antarktika, zog quer über die sibirische Platte und die nordamerikanische Arktis zum NW.-Rand Nordamerikas. Die Südpolregion war in die Sahara (Marokko, Hoggar) verlagert. Dieses Gebiet trug wohl eine Eiskappe. Im Laufe der Zeit verschob sich der Äquator einige Male und damit auch die Klimagürtel der Erde. Im Devon bildete sich der Nordatlantische Kontinent. Im Perm bekam Gondwana entlang der westlichen Tethys Kontakt zur Norderde, in der Nordamerika und Europa-Asien eine geschlossene Einheit bildeten. Manche Wissenschaftler sprechen auch von einem globalen Großkontinent, den sie „Pangäa“ nennen. Erst während der Kreidezeit kam es zu einer tiefgreifenden Umgestaltung der Paläoge-ographie. Es gibt deutliche Hinweise für das Aufreißen des Südatlantiks und die beginnende Ablösung von Afrika und Südamerika. Deutlich trennten sich nun Antarktika und Australien vom gemeinsamen Gondwana-Verband. Der Nordatlantik verbreiterte sich zunehmend, der Tethys-Golf verengte sich. Im Laufe des Tertiärs näherten sich die Pol- und Kontinentlagen ihren heutigen Positionen.  Die Gesteine, die heute im größten Teil der Eifel die Oberfläche formen, entstanden als  Meeressedimente im Erdaltertum. Damals war die heutige Eifel Meeresboden, auf den von den  nahen Festländern eingeschwemmtes Verwitterungsmaterial niedersank. In der küstenferneren  Tiefsee lagerte sich dagegen ein feiner Tonschlamm ab, der heute zu Schiefergestein geworden  ist. Mehr in Küstennähe wurde ein mit Tonschlamm vermengter Sand eingeschwemmt, der heute  zu Grauwacke versteinert ist. Diese Sedimente des Devonmeeres sind mehrere Kilometer dick.  Das frühe Devonmeer war weithin lebensarme Tiefsee. Im Verlauf des Devons verflachte es aber  und wich schließlich einem lichtdurchfluteten, tropisch warmen Flachmeer, in dem das Leben in  ähnlicher Dichte gedieh wie in den heutigen Korallenriffen der Tropen. Die Kalkausscheidungen  seiner Bewohner bildeten dicke Bänke, die heute zu den Kalksteinen des Mittel- und Oberdevons  geworden sind. Dann hob sich das Land vollends aus dem Meer und wurde seitdem nie mehr  nachhaltig von Meeressedimenten bedeckt. Im Erdmittelalter wuchs im Eifelraum und in anderen Teilen Europas ein Hochgebirge, indem die mächtigen Devonsedimente durch seitlichen Druck gefaltet, gestaucht und schließlich aufgeworfen wurden, ganz ähnlich, wie später die Alpen entstanden. Das damalige Hochgebirge (Variskisches Gebirge) ist seitdem längst von der Verwitterung abgetragen und eingeebnet worden, seine Rumpffläche formt heute die Fastebenen der Eifel. An ihrem Nord- und Südrand schneiden sich die Flüsse in steile Buntsandsteinfelsen ein. Sie entstanden aus dem zu Sand zerriebenen Verwitterungsschutt des alten Hochgebirges in einem lebensfeindlichen Wüstenklima. Sie enthalten keine Lebensspuren. Vor etwa 60 Millionen Jahren war die Eifel somit ein Niederungsland wenig über Meeresniveau.
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GESCHICHTLICHES
Die Flüsse strömten träge in kaum merklichen, weiten Tälern. Während dann im Süden die Alpen emporwuchsen, kam auch in den Rumpf des alten Variskischen Gebirges wieder Bewegung: Er wurde vielfach brechend aufgehoben zum "Rheinischen Schild", dem heutigen Rheinisch-westfälischen Schiefergebirge. Damit bekamen die Flüsse wieder Gefälle und begannen erneut, sich in den Untergrund einzukerben. In den Bruchzonen konnte Glutfluß aus der Erdtiefe bis zur Erdoberfläche durchstoßen und die Eifelvulkane bilden. Damals flammten in einem weiten Boden um die Faltungszone der Alpen die Feuerberge auf, in der Auvergne, der Eifel, dem Westerwald, Vogelberg, der Rhön und im Böhmerwald. In der Eifel finden wir räumlich getrennte Vulkanfelder und zwar die Hocheifel sowie die West- und Osteifel. In der älteren tertiären Phase entstand der Barsberg, ebenso wie einige seiner Nachbarvulkane wie z. B. der Hochkelberg (Hauptphase vor 42 bis 34 Millionen Jahren). Nach und nach erloschen die Vulkane wieder, als letzte, erst gegen Ende der Eiszeit, die in der Eifel und in der Auvergne. Ihre Kegelberge liegen teilweise noch so frisch da, als würden sie nur eine Pause einlegen. Im Quartär gab es ca. 350 Ausbruchstellen (Hauptphase: 600.000 bis 9.000 Jahre vor Chr.). In  dieser Zeit stiegen vereinzelt magmatische Schmelzen in Bruchspalten auf. Wo sie mit dem  Grundwasser in Kontakt kamen, gab es gewaltige Gasexplosionen, die Gestein hochschleuderten,  welches sich oft am Kraterrand als ringförmiger Wall ablagerte. Es entstanden die Maare. Wurde  Magma mit ausgestoßen, kam es zu Bims- und Tuffbildung. Von den letzten Eruptionen im Ostfeld  zeugen der Laacher See (10.200 v.Chr.) und im Westfeld das Ulmener Maar (8.800 v.Chr.)  Während der Eiszeit war die Eifel von einer Tundrenvegetation bedeckt und mag ähnlich ausge- sehen haben wie heute die Vulkaninsel Island. Im Höhepunkt der Vereisung hatte sich die Eismauer  des Polargletschers bis auf Sichtweite an die Eifelberge herangeschoben. Nach der Eiszeit wanderten von Südwest und Südost wieder wärmeliebende Tiere und Pflanzen in die Eifel ein. Sie fanden hier ein Klima vor, das auf den Höhenrücken im Nordwesten rein nordisch-atlantisch ist, feucht, kühl und mit geringen Temperaturgegensätzen zwischen Sommer und Winter und nach Südosten hin immer mehr kontinentale und sogar mediterrane Züge annimmt. Die Durchschnittstemperatur für den Januar steigt von Nordwest (Venn) nach Südost (Maifeld) von etwa –2° bis 0° C an, die durchschnittlichen Jahresniederschläge fallen in der gleichen Richtung von knapp 1400 auf etwa 500 mm. Im "Klimaatlas" findet man aber nur die Hälfte der Information. Die nassen Moorböden im Nordwesten halten die Winterkälte bis in den Sommer hinein, die Kalkböden und noch mehr die vulkanischen Lockerböden in der Süd- und Westeifel lassen das Wasser schnell versickern und erwärmen sich rasch und stark. Sie schaffen in geschützten und südexponierten Lagen im Wurzelund Halmbereich ein Mikroklima, wie man es erst südlich der Alpen in großen Räumen antrifft. Deutlich kann man das Klimagefälle an den Pflanzengesellschaften ablesen, speziell an den "Zeigerpflanzen", die besonders eng an bestimmte Klimabedingungen gebunden sind. Im Venn findet man eine rein nordisch-atlantische Pflanzengesellschaft, während nach Süden zu deren Vertreter nach und nach verschwinden. An ihre Stelle treten mehr und mehr Vertreter der mediterranen Flora, zu der noch pontische, d.h. an ein kontinentales Klima gebundene Arten stoßen.  Lit: Geo-Infoband Vulkaneifel, 2. Auflage 2001 Eckart Schröder, Wolfgang Schmidt, Hans.Wilhelm Quitzow, "Geologische Heimatkunde des Dürener Landes".  Serges Medien; Schule 2000, Frieder Sauer, Die Eifel in Farbe, 1976
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GESCHICHTLICHES
Kräfte aus dem Erdinnern  von Klaus Dickel  Da Bongard am Fuße eines Vulkans liegt, soll hier ein wenig näher auf den Vulkanismus und  seine Ursachen eingegangen werden. Schaut man sich die Weltkarte einmal mit den Augen eines Puzzlefreundes an, so fällt auf, daß  Südamerika und Afrika doch erstaunlich gut ineinander passen. Die Vermutung liegt nahe, daß  die Kontinente ehemals zusammengehört haben könnten. Dafür spricht auch, daß die Gesteine  an der westafrikanischen Küste denen an der brasilianischen Küste ungemein gleichen. Ebenso  stellt man überraschende Übereinstimmungen in Versteinerungen längst abgestorbener Pflanzen  und Tiere auf beiden Kontinenten fest. Auch noch andere Kontinente passen zusammen.  So rückten z.B. vor 225 Millionen Jahren, die Kontinente so nah aneinander, daß schließlich ein  globaler Großkontinent, die Pangäa entstand, die allerdings im Verlauf der weiteren Erdgeschichte  wieder auseinander brach, was durch die heutige Verteilung der Landmassen auf der Erde nach- drücklich belegt wird. Bevor wir uns mit den Ur- sachen für diese Bewegungen  näher beschäftigen, ist es sinn- voll, zunächst einmal einen  Blick in das Innere der Erde zu  werfen, denn die Lösung des  Rätsels liegt in den Vorgängen  im Erdinnern begründet.  Die Erde ist schalenförmig auf- gebaut und besteht, verein- facht ausgedrückt, aus der  Erdkruste, die durchschnittlich  bis in eine Tiefe von 35 km  Tiefe reicht, dem oberen und  unteren Erdmantel, die bis in  900 km Tiefe bzw. bis in 2900  km Tiefe reichen, und dem äu- ßeren und dem inneren Kern,  die eine Tiefe von 5100 km bzw.  6370 km erreichen. Bis auf den inneren Kern, der flüssig ist, sind die Schalen der Erde mehr oder weniger fest. Dabei wird es zum Erdinneren immer heißer, im Erdmittelpunkt schätzt man die Temperatur auf etwa 5000°C. Die Kruste besteht hauptsächlich aus den Elementen Silicium, Aluminium und Magnesium, der Mantel aus Nickel, Eisen, Silicium und Magnesium und der Kern aus Nickel und Eisen. Geologen erforschten mit Hilfe neuer Technik den chemischen Aufbau, die Dicke, die Dichte, die Temperatur und den Aggregatzustand der Erdschichten und auch die Strukturen des Meeresbodens. Sie kamen dabei schließlich zu neuen Erkenntnissen über den Feinbau der Erdschalen und klärten auch die Frage der Kontinentbewegungen. Auf dieser Grundlage entstand
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GESCHICHTLICHES
Schematische     D a r s t e l l u n g   des    Aufbaus    der    Erde    und    der    Ausgleichsströmungen,   wobei   (A)   eine   kontinentale   P l a t t e   unter    eine   andere geschoben   wird   (Subduktion),   und   (B)   P l a t t en   auseinander   triften    (Sea-floor-spreading)   und   eine   neue   E r d k r us t e gebildet wird.
die Theorie der Plattentektonik. Die Tektonik ist die Lehre vom Bau der Erdkruste und den Kräften und Bewegungen in der Lithospäre, die dafür verantwortlich sind. Mit dem Begriff „Lithosphäre“ (Gesteinshülle) bezeichnet man eine Schicht von 70 bis maximal 200 km Dicke an, die Erdkruste und Teile des oberen Erdmantels einschließt. Sie trägt somit die Erdkruste und darauf aufliegend sowohl den Meeresboden als auch die Kontinente. Die Lithosphäre ist nun keine feste Schale in einem Stück, sondern in größere und kleinere Platten zerlegt, die sich wie starre Körper verhalten und passiv, d. h. ohne eigene Antriebskraft, horizontale Bewegungen ausführen. Doch was ist nun der Antrieb dieser Bewegungen? Dazu betrachten wir noch einmal den Erdmantel. Dieser ist zwar nicht flüssig, verhält sich aber in geologischen bzw. sehr langen Zeiträumen zähplastisch. Er unterliegt einer ständigen Durchmischung durch walzenartige Konvektionsströmungen von Magma, bzw. glutflüssigem Gestein - das sind durch die große Wärme und radioaktiven Zerfall im tieferen Erdinnern bedingte Ausgleichsströmungen, die zugleich der Motor für die Plattenbewegungen sind. Diese Erkenntnisse gewann man durch die genaue Untersuchung des Meeresbodens und der so genannten mittelozeanischen Rücken, die als Unterwassergebirge oder Schwellenzonen durch alle Ozeane verlaufen. Ihre Oberfläche liegt durchschnittlich 3000-4000 Meter unter Wasser und ragt nur an wenigen Stellen über die Oberfläche der Meere hinaus. Island und die Inselgruppe der Azoren sind z.B. solche Stellen. Die mittelozeanischen Rücken erreichen eine Breite von über 1500 km. Von großer Bedeutung sind dabei 20-50 km breite und bis zu 3000 m tiefe Gräben, Zentralgräben, die in der Mitte dieser breiten Schwellen verlaufen. Mit Hilfe der so genannten Magnetostratigraphie, entdeckte man, daß das Gestein der Schwellen jeweils nach außen hin immer älter wird. Im Zusammenhang mit dem entlang der mittelozeanischen Rücken verbreiteten Vulkanismus gelangte man zu der phänomenalen Erkenntnis, daß als Folge der oben genannten Konvektionsströmungen, ständig glühendes Magma aus den Zentralgräben aufsteigt, die hier rechts und links angrenzende Platten immer weiter auseinander drückt und ihnen dabei praktisch ständig neues Material anschweißt. Auf diese Weise wird Kruste bzw. Lithosphäre neu gebildet. Dabei gleiten die Platten auf der sogenannten Asthenosphäre, deren Material weniger fest als das der Lithosphäre und der tieferen Mantelschichten ist und die wie ein zäher Schmierfilm zwischen den tieferen Mantelschichten und der Lithosphäre liegt. Sie können sich auf diese Weise von ihren Nachbarplatten entfernen oder mit anderen Platten zusammenstoßen. Bei Zusammenstößen von kontinentalen und ozeanischen Platten kann die ozeanische Platte umbiegen und unter die kontinentale Platte abtauchen. Man spricht dann von einer Subduktion. Dabei wird das Material der abtauchenden Platte im tieferen Erdinneren aufgeschmolzen. In Störungszonen der Erdkruste kann das zu Vulkanismus führen, d. h., daß glutflüssiges Gestein an die Erdoberfläche dringt und Vulkane bildet. Überall dort findet man Tiefseegräben, manchmal mehr als 8000 m tief. Man fand heraus, daß genauso viel Material in den Subduktionszonen aufgeschmolzen wird, wie glühendes Magma in den Zentralgräben aufsteigt und neue Kruste bildet. Auf diese Weise entsteht ein fortdauernder Kreislauf des Materials der Lithosphäre. Beim Zusammenstoß mit der ozeanischen Platte wird die kontinentalen Platte an ihrem Rand zusammengestaucht und aufgefaltet. Es entstehen Gebirge. Es kommt jedoch auch vor, daß eine ozeanische Platte sich auf die kontinentale Platte aufschiebt. Dies war z.B. der Fall bei der Entstehung der Alpen, als die kleine Adriatische Platte zwischen der Afrikanischen Platte und der Europäischen Platte eingeengt wurde und sich auf die letztere aufschob. So entstanden die Westalpen vor etwa 30 Millionen Jahren. Bei der Entstehung der Alpen spielten jedoch auch Subduktions- und Kollisionsprozesse ohne Subduktion und Obduktion eine Rolle.
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GESCHICHTLICHES
Stoßen die Platten in einiger Entfernung von der Küste zusammen, entstehen Inselketten. An den Plattengrenzen kann man noch eine Gesetzmäßigkeit feststellen. Sieht man sich eine Karte der Erdbeben und Vulkane an, so findet man diese genau entlang der Linien, wo Platten aufeinander stoßen. Das sind die Schwächezonen in der Erdkruste. Beim Zusammenstoß der Urkontinente Gondwana (Südamerika+ Afrika+Indien+ Antarktis+ Australien) und Laurasia (Nordamerika+Europa+Teile von Rußland) wurde z. B. das Rheini-sche Schiefergebirge mit der Eifel aufgestaucht. Entfernen sich Platten voneinander, führt das zur Grabenbildung (Jordangraben, Rotes Meer). Gleiten Platten aneinander vorbei, kommt es besonders häufig zu Erdbeben, da sich Plattenteile „verhaken“. Ein Beispiel dafür ist der SanAndreas-Graben in Kalifornien. Alle Kräfte aus dem Erdinnern, die die Oberflächengestalt der Erde durch Gebirgsbildung, Erdbeben  und Vulkanismus bestimmen, nennt man endogene Kräfte. Wie dünnhäutig der Planet Erde in Wirklichkeit ist, veranschaulichen die Vulkane mit ihren Feuer speienden Auswürfen aus den Tiefen des Erdinnern. Vulkane sind weltweit verbreitet. Das Wort Vulkan kommt aus dem Lateinischen. Die alten Römer verehrten neben vielen anderen den Feuergott Vulcanus. Vulkane gehören fast immer zu Vulkangruppen, die meistens in den Schwächezonen der Erdkruste vorkommen. Fudschijama, Kilimandscharo, St. Helena, Ätna, Mauna Loa, Stromboli, Santorin, Vesuv und Ätna sind bekannte Namen. Der letzte Ausbruch des Ätna war 1992. Vulkane entstehen, wenn Magma, ein Gemisch aus Gasen und geschmolzenem Mantelmaterial, durch Spalten in der Erdkruste an die Erdoberfläche gelangt. Dann bezeichnet man es als Lava. Die Bezeichnung Lava wird oft sowohl für das glutflüssige Material als auch für das daraus entstehende Gestein verwendet. Der Geologe nennt die aus Lava erstarrten Gesteine Vulkanite und die aus Magma unter der Erdoberfläche erstarrten Gesteine Plutonite. Des Weiteren werden Lapilli, Auswurfmaterial von Erbsen- bis Walnussgröße, oder große Auswurfgesteinsstücke (Basaltkugel bei Strohn) bei einem Vulkanausbruch in die Luft geschleudert. Vulkanisches Gestein, wie der Basalt, liefert z. B. Material für den Straßenbau. Bei jedem Ausbruch wird mehr Lava abgelagert, was oft zur Bildung eines Berges führt. Man  unterscheidet tätige, ruhende und erloschene Vulkane und je nach dem geförderten Material ver- schiedene Vulkanformen. Wenn recht flüssige Lava herausfließt, die langsam im umliegenden  Land erstarrt, bilden sich Schildvulkane. Solche sogenannten Deckenergüsse von dünnflüssiger  Lava hat es vor 5 Millionen Jahren z. B. im Westerwald gegeben. Ein anderer Typ ist der  Schichtvulkan. Hier werden sowohl zähflüssigere Lava als auch Lockermaterial wie Asche geför- dert. Der Vulkan wächst in Schichten, baut dabei einen gleichmäßigen Kegel auf.  Obwohl die Vulkane von Vulkanologen weltweit beobachtet werden, lässt sich nur schwer eine  genaue Vorhersage über den Zeitpunkt eines Ausbruchs machen. Meist dauern die Ruhepausen  zwischen zwei Ausbrüchen länger als ein Menschenleben. Mit dem Vulkanismus verbunden sind  manchmal auch heiße Quellen. Der aktive Vulkanismus ist in Europa auf den Mittelmeerraum beschränkt. In Deutschland gibt es viele erloschene Vulkane, in der Eifel allein an die zweihundert. Vulkanismus gab es u. a. in der Rhön, im Hessischen Bergland, im Westerwald, am Kaiserstuhl im südlichen Oberrheingraben, im Siebengebirge und im Hegau westlich vom Bodensee. Man erkennt sie auch heute oft noch an ihrer gleichmäßigen Kegelgestalt in der Landschaft. In der Eifel zeugen die Maare von ehemaliger Unruhe im Erdinnern. Ein Maar ist oft das Produkt  eines einzigen Ausbruchs, bei dem magmatische Schmelzen an Spalten aufdrangen und in Kontakt
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mit dem Grundwasser kamen. Dadurch kam es zu gewaltigen Gasexplosionen, oft ohne Lava- und Ascheförderung, die das Gestein hochschleuderte, das rings um den Explosionskrater liegen blieb und heute noch als ringförmiger Wall erhalten ist. Bei Explosionen mit Lava- und Ascheförderung wurden Bims und Tuffe herausgeschleudert. Bims, ein poröser, luftreicher, gut isolierender Stein, ist aus rasch erstarrter Lava entstanden, aus der Gase und Dämpfe nicht mehr entweichen konnten. Tuffe sind dichter und stärker verfestigt. Die Bimslagerstätten des Neuwieder Beckens beliefern die Baustoffindustrie. Bekannt als Kratersee ist auch der Laacher See. Dieser ist allerdings in Wirklichkeit kein richtiger Kratersee, sondern eine so genannte Caldera (spanisch = Kessel). Eine Caldera entsteht, wenn durch Förderung von Lava Hohlräume unter der Erdoberfläche entstehen, die dann einstürzen. Ganz ruhig ist es im Erdinnern unter der Eifel immer noch nicht. Kohlendioxid aus dem Erdinnern zeugt von der noch nicht beendeten vulkanischen Tätigkeit im Untergrund. Auch kohlendioxidhaltige Mineralwasserquellen, nicht nur in der Eifel, sind ein Beweis dafür. Der Vulkanismus bei uns ist in engem Zusammenhang mit der Auffaltung der Alpen zu sehen. Gleichsam als Fernwirkung der plattentektonischen Bewegungen entstanden größere Bruchlinien. Als die Alpen aufgefaltet wurden, setzten sich die Kräfte aus dem Erdinnern nach Norden und Süden fort. Der Untergrund wurde dabei in viele Teile oder Schollen zerbrochen. Der Fachmann spricht in diesem Zusammenhang von Bruchschollentektonik. Werden nun solche zerbrochenen Gesteinspakete gegeneinander horizontal oder vertikal bewegt, entstehen an den Spalten zwischen den Schollen so genannte Verwerfungen als Längs-, Quer- oder Diagonalverwerfung. So können Teile als „Horst“ zwischen zwei Verwerfungen emporgehoben werden oder als "Graben" zwischen zwei Verwerfungen absinken oder einbrechen. Auf diese Weise sank das Gebiet des heutigen Oberrheins vor 45 Millionen Jahren als Scheitel einer großflächigen Aufwölbung ursprünglich über 3000m weit in die Tiefe. Es enstand der Oberrheingraben, der sich mit Abtragungsmaterial aus den umliegenden höher gelegen Gebieten wieder auffüllte. Der Oberrheingraben, bzw. das Rheintal gehört zu einem großen Grabensystem, das sich vom Mittelmeer bis Skandinavien zieht. Erdbeben und Vulkanausbrüche in der Nähe solcher Schollenbrüche zeugen von der Unruhe im Erdinneren. Was nun die Frage angeht: Kann der Barsberg oder ein anderer Vulkan der Eifel wieder ausbre- chen?, so gibt es heute keine eindeutige Antwort darauf. Dr. Joachim D.D. Ritter, Uni Göttingen, leitete in den Jahren 1997/98 ein umfangreiches seismo- logisches Meßexperiment, um den Vulkanismus der Eifel, bzw. unter der Eifel zu untersuchen.  Erdbebenwellen bringen auf ihrem Weg durch das Erdinnere wichtige Informationen über den  Aufbau und die Struktur unseres Planeten an die Erdoberfläche. Änderungen der  Zusammensetzung von Gesteinen oder Temperaturvariationen in der Erde verursachen eine Ände- rung der Ausbreitungsgeschwindigkeit von Erdbebenwellen. Seismologen messen die  Geschwindigkeit von Erdbebenwellen sehr präzise und können entsprechende Karten des  Erdinneren erstellen, ähnlich den Abbildungen der medizinischen Computertomographie. Eine  seismische Tomographiestudie, bei der dreidimensionale Bilder des Erdinneren erstellt wurden,  liegt für die Eifel vor. Der Eifelvulkanismus stellt eine Besonderheit dar, weil er nicht am Rand einer tektonischen Platte auftritt, sondern die Eruptionen sich mitten in einem Kontinent ereignen. Ein Modell zur Erklärung dieses „Intraplatten-Vulkanismus“ ist die Plume-Theorie. Unter einem Plume versteht man einen heißen, säulenförmigen Gesteinsaufstrom, der seinen Ursprung in großen Tiefen des Erdmantels hat. Weil das Plumematerial ca. 150°C heißer als das Umgebungsgestein ist, hat es eine geringere Dichte und steigt daher mit Geschwindigkeiten von 10-100 cm pro Jahr durch den Erdmantel
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auf. Erreicht ein Plume die Lithosphärenplatte, können sich Schmelzen bilden, welche bis zur Erdoberfläche gelangen. Der bekannteste große Plume befindet sich unter Hawai, unter der Eifel wird aber nur ein kleiner Plume vermutet. Der gegenwärtige Zustand der Erdkruste in Mitteleuropa und damit auch der Eifel wird da-durch gekennzeichnet, daß sich die nordatlantisch-eurasische Platte nach Südosten und die afrikanische Platte nach Nordwesten bewegt. Dazwischen liegt Mitteleuropa mit der Eifel. Die so aufgebauten Spannungen in der Erdkruste lösen sich in Form von Erdbeben, z.B. in der Niederrheinischen Bucht und dem Mittelrheingraben. Die starke Absenkung der Niederrheinischen Bucht deutet an, daß die Kruste in Nordost-SüdwestRichtung ausweicht und damit eine Meeresverbindung zum Oberrheintalgraben entstehen kann, wie es bereits in der Tertiär-Zeit der Fall war. So könnte mit der Zeit ein größerer westeuropäischer Block entstehen, der sich schließlich über den Rhonegraben ganz von Mitteleuropa ablöst und zu einer Insel wird, zu der dann die Eifel gehört. Auch der Vulkanismus würde so wieder aufleben, da durch die Krustendehnung neue Auf-stiegswege für das Magma entstehen. Daß diese noch vorhanden sind, zeigen die C02-Austritte (Mofetten), die zahlreich in der Vulkaneifel auftreten und auf das vorläufige Ende des aktiven Eifel-Vulkanismus vor erst 10.800 Jahren (Ulmener Maar) hinweisen. Da die derzeitigen Plattenbewegungen in Mitteleuropa und das dadurch verursachte Span-nungsfeld auch noch länger bestehen bleiben, sind die potentiellen Möglichkeiten weiterer vulkanischer Aktivitäten auch künftig gegeben.   Die ersten Spuren von Lebewesen  Die heute in der Eifel aufgeschlossenen Gesteinsschichten sind ein Spiegel der langen Entwicklung des Lebens. Viele Wissenschaftler haben in mühsamer Kleinarbeit aus den vielen Puzzleteilchen ein beeindruckendes Bild der Entstehungsgeschichte erstellt. (siehe Tabelle: Zeitalter). Die Fossilien, versteinerte Tiere und Pflanzen oder Abdrücke davon, spielen dabei eine wichtige Rolle. Sie sind in fast allen Schichten der Erdzeitalter zu finden, einige von ihnen sind vorherrschend (Leitfossilien). Die Eifel ist ein Eldorado für Fossiliensammler, weil vor allem das Devon  mit seinen markanten Fossilien an vielen Stellen aufgeschlossen ist.  Lit: Geo-Infoband Vulkaneifel, 2. Auflage 2001 Eckart Schröder, Wolfgang Schmidt, Hans Wilhelm Quitzow, "Geologische Heimatkunde des Dürener Landes".  Serges Medien; Schule 2000, Frieder Sauer, Die Eifel in Farbe, 1976
Die ersten menschlichen Spuren Die Gegend der heutigen V e r b a n d sg e m e i n de  K e l b e r g wurde nach Ausweis der Funde von  Menschen in der Jungsteinzeit begangen (2-3000 v. Chr.). Man fand an verschiedenen Orten
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P a r a s p i r i f e r  (Mitteldevon)
T r i l o b i t  (Mitteldevon)
Feuersteinklingen, Pfeilspitzen aus Feuerstein und Steinbeile (siehe E. Mertes, Archäologische Fundstellen in der Verbandsgemeinde Kelberg, in Trierer Zeitschrift (TZ) 1980/81 und Nachträge e.m.).  Erste Besiedlung  Die ersten Siedlungsspuren um den Barsberg finden wir im letzten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung. Es war die Zeit der Kelten, der Treverer, der Urnenfelder-Kultur, die Hallstattzeit, die Latènezeit (siehe Archäologische Fundstellen). Von dieser Zeit an finden wir Siedlungsspuren um den Barsberg bis in die spätrömische Zeit hinein, also eine, wenn auch dünne, dennoch anzunehmende kontinuierliche Besiedlung (ca. 700 vor, bis 353/55 nach Chr.). Ein Jahrtausend Geschichte der alten “Bongarder“! Archäologische Fundstellen um den Barsberg  Bongard 1. Befestigungsanlage, UK - röm. (Mtbl. 5707 Kelberg: r 60 450, h 73 400) Auf dem Barsberg (H 599,6) finden sich umfangreiche Reste einer offenbar vorgeschichtlichen Befestigungsanlage, die nach Ausweis der Funde (LMB 32,932 und LMT 76,211) vielleicht schon zur Zeit der späten Urnenfelderkultur errichtet und in spätröm. Zeit zumindest kurzfristig aufge- sucht war. Lit.: Vgl. K. J. Gilles, Spätrömische Höhensiedlungen in Eifel und Hunsrück.   2. Grabfund (?),LTz. (Mtbl. 5707 Kelberg: gen. Fpkt. unbekannt) In den Staatl. Museen Berlin (Ii 2605) wird unter dem Fundort Bongard eine frühlatènezeitliche  Flasche mit reicher Hohlstempel- und Ritzlinienverzierung aufbewahrt. Da das Gefäß unversehrt  ist, dürfte es sich um den Teil eines Grabfundes handeln. Lit.: Joachim 187 (Nr.3); 260   3. Grabhügel, röm. (Mtbl. 5707 Kelberg: r 59 980, h 73 360) In Flur „Op de Holl“ liegen im Bereich des Baugeländes zwei Grabhügel (Dm. 5-6 m, H. 0,5 m), von denen der untere bei Wegebauarbeiten bereits angeschnitten wurde. Beide wurden schon vor längerer Zeit (um 1890) geöffnet; die Funde, Tongefäße und Scherben, sind verschollen. Ein in den OA verzeichneter dritter, kaum erkennbarer Hügel im heutigen Garten von V. Bongards wurde offenbar in der Zwischenzeit eingeebnet. Funde sind nicht bekannt. Möglicherweise stammen aus diesen Hügeln jene in der Schulchronik vermerkten Funde, wie ein 1888 gefundener TS-Boden mit Stempel „APER F(ecit)" und ein Glasgefäß in Fäßchenform (verschollen). Zu Bongarder Grabfünden gehörten vermutlich auch verschiedene Keramikgefäße, die
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als Einzelfunde in das MVFB (heute verschollen) gelangten, so ein TS-Teller der Form Drag. 18/31  (Inv. 2604), Scherben eines helltonigen Einhenkelkruges (lnv. 2603 a, b) und eines bauchigen  weißtonigen Gefäßes (Inv. 2606). Lit.: Hagen 274. - Joachim 187 (Nr.2). - Kdm. Mayen 202   4. Grabhügel, röm. (Mtbl. 5607 Adenau: r 59 820, h 74 200) 200 m ö der Siedlung auf dem „Hönkelsberg" (vgl. 5) liegt ein einzelner Grabhügel (Dm. 10 m, H. 1,5 m), der bereits 1891 geöffnet wurde. Dabei kam eine Aschenkiste aus Basaltlava (90x62x34 cm) mit etwa 20 cm starkem Deckel zutage (MVFB Ii 1446, verschollen). Ihr Boden wies innen zwei kreisförmige Vertiefungen auf. Neben Leichenbrand barg sie einen Doppelhenkelkrug ähnlich Gose 412 (MVFB Ii 1445). Quellen: OA LMT, ADK und MVFB. Lit.: Hagen 274. - Joachim 187 (Nr.1). - Kdm. Mayen 202.     5. Siedlung, röm. (Mtbl. 5607 Adenau: r 59 650, h 74 180) 1935 entdeckte J. Müsseler in seiner Waldparzelle „Hönkelsberg", 30 m ö H. 501,3, Reste eines rö-mischen Gebäudes, das er teilweise freilegte. Ins LMB (Inv. 36,671) gelangten spätrömische Kera-mikscherben und ein Mühlsteinfragment, ins LMT (EV 80,114) die Spirale einer Fibel (Abb. 1,2), eine Pfeilspitze (Abb. 1,1), ein Eisenring, eine Gagatperle und eine blaugrüne Wandscherbe einer Rechteckflasche. Zahlreiche Kleinfunde befinden sich in Privatbesitz, darunter 17 Münzen, die Dr. K. J. Gilles freundlicherweise bestimmte. Die Vorlage der Münzen erfolgt nach den Richtlinien der FMRD (FMRD 1, 1 [1960] 20 ff.).  Antoninius Pius 1.	S 155/157 Rom RIC 946/966  Constantin 1. 2.	Fol 320/324 Tre C 20, RIC 303 PTR
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F und s t el l e 5 Römische Kleinfunde aus der Siedlung am  H ö nk el s b er g . Abb. 1: Pfeilspitze Abb. 2: Spirale einer Fibel
3.	Fol 335/337? C 250  (Urbs Roma) 4.	Fol 330/335 Tre C 17, RIC 561 TRP  (Constantinopolis) 5.	Fol 330/337? C21  Constantinsöhne 6.	Fol 337/341 Arl Gl.-Exerc.-1 Fz.-Typ  Constans 7.	Fol 	341/346 Tre 	C 179 TRS 8.	Fol 	341/346 Tre 	C 179  Constantius II. 9.	Fol 	337/341 Tre 	C 100 10.	Fol 	337/341 Nic 	C 99  Constans/Constantius II. 11.	Fol 	337/341 Lug 	C 65/101 12.	Fol 	341/346? 	C 179/293 13.	Fol 	341/346? 	C 179/293 14.	Cen 	346/350? 	C 22/58  Magnentius 15.	Mai 350/353? C 68  Barbarisierungen (Constantin I./-söhne) 16.	Min 353/357 Gall Gl.-Exerc.-2. Fz.-Typ  (Constantinopolis) 17.	Min 353/357 Gall C 21 Typ   Lit.: Bonner Jahrb. 142, 1937, 232. - Kdm. Mayen 202   6. Hügel, Ma. (Mtbl. 5706 Hillesheim: r 58 850, h 73 950)  In der Flur „Kahler Hoff" wurden 1976 beim Urbarmachen einer Wiese im Bereich eines flachen Hügels (Dm. 8 m, H. 0,6 m) zahlreiche Bruchsteine, spätmittelal- terliche Keramikscherben sowie ein Wetzstein (LMT EV 80,115) herausgepflügt.  7. Hügel, Z. u. (Mtbl. 5707 Kelberg: etwa r 59 850, h 73 900) 700 m n Bongard liegt im S-Winkel zweier sich kreuzender Waldwege ein Steinhügel (Dm. 6 m,  H. 0,7 m), der vor längerer Zeit in der Mitte angegraben wurde. Funde sind nicht bekannt.  Quellen: OA LMT und ADK.  8. Siedlung (?), Z. u. (Mtbl. 5606 Üxheim: r 58 500-650, h 74 100-200) 400 m nw des Hügels in Flur „Kahler Hoff" fand J. Becker auf seinem Grundstück in „Moorswiesen" Anzeichen eines verschütteten Brunnens. Im Nachbargrundstück stieß P. Neumann Ende der 60er Jahre beim Ackern in Pflugschartiefe auf Bruchsteine, die er zum Wegebau verwendete.
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Römische Pfeilspitze Fundstelle 5 (Film em)
Borler 1. Grabhügel, Z. u. (Mtbl. 5607 Adenau: r 59 500, h 76 100) Im Gemeindewald, 100 m südlich Grenze Senscheid, 20 m ö Gabelung Waldweg großer Hügel  „Groohenhügel", Dm. 35 m, H. 3 m). Vor längerer Zeit in der Hügelmitte angegraben. Auf dem  Hügel steht heute eine Jagdkanzel. Quellen: OA LMT und ADK   2. Siedlung, Ma.-Nz. (Mtbl. 5606 Üxheim: r 57 760, h 75 020) 500	m nordwestlich „Heyer Berg" (H. 531,0) Wüstung Haus und Hof Heyer. Die Stelle ist im  Gelände durch Bodenverformungen und Mauersteine gut zu erkennen, desgleichen die Lage der beiden Fischweiher. Lit.: Janssen II, 220 (Heyroth). - Kdm. Mayen 204   3. Friedhof, Ma.-Nz. (Mtbl. 5606 Üxheim: r 58 150, h 74 700) Beim Gerüstbau an der Borler Kapelle auf „Heyer Berg" fand man 1952/53 menschliche Knochen. In und außerhalb der alten Kapelle sollen bis 1795 (Ost), nach Schug bis 1805, die Bewohner von Haus und Hof Heyer und Borler beigesetzt worden sein. Zwei Grabsteine von 1601 und 1611  kamen nach Nohn. Lt.: Janssen II, 220 (Heyroth). - Kdm. Mayen 204. - Ost 171. - Schug V, 125 f   Bodenbach 1. Siedlung, röm. (Mtbl. 5607 Adenau: r 60 960-61 160, h 75 45O~650) In Flur „Steinig Heck" stieß man bereits um 1890 (OA) auf Mauerwerk einer römischen Villa. Noch heute werden immer wieder Steine herausgepflügt. Mauersteine und Ziegel sind im Ort  vermauert. Quellen: OA LMT und ADK.; Lt.: Bonner Jahib. 133, 1928, 271. - Kdm. Mayen 201   Gelenberg 1. Grabhügel, Z. u. (Mtbl. 5707 Kelberg: r 60 86O-61 100, h 73 540-840) Beiderseits des Waldweges nordöstlich Barsberg, Jagen 113/117 Staatsforst Kelberg, liegen 16 Grabhügel (Dm. 7-20 m), von denen drei bei Wegebauarbeiten zerstört wurden. Die in der Literatur meist als unberührt bezeichneten Hügel sind inzwischen an- oder ausgegraben. Aus einem um 1890 geöffneten Hügel stammen angeblich Urnen, Münzen, Lanzen- und Pfeilspitzen (verschollen). Weitere Funde sind nicht bekannt. Quellen: OA (Gelenberg und Bongard) LMT, ADK und LMB. - Schulchronik Bodenbach.  Lit.: Hagen 274. - Joachim 188. - Kdm. Mayen 233. - Trierer Zeitschr. 40/41, 1977/78, 377.  Die Angabe „Dreikönigskreuz" bei Hagen ist auf „Kirchkättekreuz" zu verbessern.  2. Hügel, Ma. (Mtbl. 5707 Kelberg: r 61 080-320, h 72 780-850) „Unter der Nück", in der Peterswiese (auch Barsberger Wiese, vgl. OA), sind während der letzten  Jahrzehnte mehrere Hügel eingeebnet worden. Hügel 1 wurde vor 1925 geöffnet, ohne daß Funde geborgen wurden (OA Bongard). Die genaue Fundstelle ist nicht bekannt. Hügel 2 (r 61 080, h 72 850, Dm. 8 m, H. 1,30 m) wurde 1975/76 vom Besitzer eingeebnet. Dabei kamen Holzkohle, verbrannte Steine, verziegelter Lehm und wenige mittelalterliche Keramikscherben zutage (LMT EV 80,117). Weitere Hügel (r 61 260-320, h 72 780-850, Dm. 1-2 m, H. 0,50-1 m) wurden bereits Ende der 60er Jahre eingeebnet. Dabei sollen
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ebenfalls verbrannte Steine, Holzkohle, Keramikscherben und zwei kleine Hufeisen zum Vorschein gekommen sein (verschollen). Quellen: OA (Gelenberg und Bongard) LMT u. ADK. Lit.: Vgl. Hagen 274   Literatur: Trierer Zeitschrift für Geschichte und Kunst des Trierer Landes und seiner Nachbargebiete, Herausgegeben vom  Rheinischen Landesmuseum Trier, 43.144. Jahrgang, 1980/81, e. m. Abkürzungen: ADK 	= Landesamt für Denkmalpflege, Außenstelle Koblenz Bes. 	= Besitzer Inv. 	= Inventar LRA 	= Landeshauptarchiv Koblenz LMB 	= Rheinisches Landesmuseum Bonn LMT 	= Rheinisches Landesmuseum Trier MVFB 	= Museum für Vor- und Frühgeschichte Berlin OA 	= Ortsakte Untersuchungen über den Verbleib der Bongarder Funde  Wo sind die archäologischen Funde von Bongard hingekommen, wo sind sie geblieben? Die nach- stehende Untersuchung gibt hierüber aufschlußreiche Auskunft.  Fundstelle Bongard 1 Funde vom Barsberg kamen 1932 ins Landesmuseum Bonn (LMB), 1976 ins Landesmuseum Trier (LMT). Ins Landesmuseum Trier kamen auch die im Nachtrag zu den archäologischen Funden genannten zwei Schatzfunde römischer Münzen aus dem Gallischen Sonderreich und die von Lothar Schwinden im Kurtrierischen Jahrbuch 1991 referierten Bronzetafeln.  Fundstelle Bongard 2 "Bei dem Fund handelt es sich um ein zusammengesetztes und ergänztes, rotbraunes, gut geglättetes, hartgebranntes, durch Hohlstempel und Ritzlinien reichverziertes flaschenartiges (Ton)Gefäß mit ebenem Boden der Frühlatène-Zeit (5. Jh. v.Chr.). Das Gefäß ist 13 cm hoch, hat einen Randdurchmesser von 8,8 und einen Bodendurchmesser von 5,1 cm. Früher befand es sich in den Staatlichen Museen Berlin, dessen Bestände nach dem Kriege teils nach West-, teils nach Ostberlin gelangt sind. In Westberlin konnte ich das Gefäß nicht finden..." ( Brief von Dr. H.E. Joachim, Rhein.Landesmuseum Bonn, 16. April 1980). Abbildung aus Kartei der Staatlichen Museen Berlin 1939.
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K a r t ei k a r t e der staatlichen Museen Berlin
K a r t ei k a r t e des Museums für Vor- und F r ühg es c h i c ht e,  F un d s t el l e 2 (Ausschnitt aus der K a r t ei k a r t e)
Fundstelle Bongard 4 Der Doppelhenkelkrug aus dem Steinsarg des Grabhügels in der Flur "Hönkelsberg" befindet sich im Museum für Vor- und Frühgeschichte Berlin (MVFB Ii 1445). Kopie der Karteikarte des Museums von 1979, Dr. D. Sürenhagen. Der königliche Förster B.	Johnettler, Forst- haus Barsberg schrieb nachstehenden Brief nach Berlin: Brief des königl. Försters B. Johnettler, Forsthaus Barsberg, vom 8. August 1892 an die königlichen Museen in Berlin, daß er den Steinsarg vom Grabhügel "Hönkelsberg" abgeschickt habe. Die Kostenrechnung bis Bahnhof Hillesheim legt er bei und bittet um Rückerstattung. Die zum Sarg gehörige Aschenurne schickt er separat per Post.
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K a r t ei k a r t e Doppelhenkelkrug MVFB l i 1445
F u n d s t el l e Bongard 3 Zeichnungen der Bon- garder Funde im Mu- seum für V o r -  und  Frühgeschichte Berlin (MVFB), a. des hellto- nigen Einhenkelkru- ges (Inv. 2603 a, b)  und b. des Terra sigil- lata (TS) T e l l e r s  (fla- che Schale) aus zie- gelrotem Ton (Inv.  2604).
K a r t ei k a r t e MVFB Inv. 2603 a,b u. 2604
Rechts: Brief des königl. Försters B. Johnettler, Forsthaus Basberg, vom 8. August 1892 an die königlichen Museen in Berlin, daß er den Steinsarg vom Grabhügel „Hönkelsberg“ abgeschickt habe. Die Kostenrechung bis Bahnhof Hillesheim legt er bei und bittet um Rückerstattung. Die zum Sarg gehörige Aschenurne schickt er separat per Post.
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Fundstelle Bongard 5 Römische Pfeilspitze, Flur „Hönkelsberg“, Fund Müsseler in den 1930er Jahren.  (Siehe Skizze unter Nr. 5) Teile des Fundes vom „Hönkelsberg“ gelangten 1936 ins Museum Bonn (LMB), 1980 ins Museum Trier (LMT). Ein weiterer Teil blieb lange im Besitz der Familie Müsseler. In den 1970er Jahren konnte Erich Mertes die Pfeilspitze und Münzen von Frau Rosa Müsseler aufkaufen. Die Münzen wurden im Landes- museum Trier von Herrn Dr. K.	J. Gilles bestimmt. Von  daher war es erstmals mög- lich, die römische Siedlung „Hönkelsberg“ zeitlich genau einzuordnen und in den Kontext der römischen Geschichte in unserer Gegend anhand der Münzfunde einzubringen, womit sich ein beweisbares Gesamtbild der Geschichte von damals vor 2000 Jahren in unserem Raum ergibt. Die 17 Fundmünzen vom „Hönkelsberg“ wurden 1986 in der Auktion 41, Sammlung Mertes-Kolverath, Kölner Münzkabinett, unter insgesamt 2352 Positionen versteigert, darunter 14 Schatzfunde aus dem Eifelraum, mit Lagezeichnung. Leider hat es der Koautor Erich Mertes damals versäumt, die Münzen vom „Hönkelsberg“ wieder zurückzukaufen, wie er es mit denen vom Hochkelberg u.a. gemacht hat. Er bedauert das heute sehr. Aber sicherlich hat sie 1986 ein Münzsammler erworben, der eine besondere Beziehung zu Bongard hatte, denn einen Spe-kulationswert hatten die Münzen nicht. Der Auktionator hatte sie wegen der nicht sehr guten Erhaltung mit einem Schätzpreis von insgesamt 175 DM angesetzt, weit weniger als E. Mertes sie von Frau Müsseler gekauft hatte. Aber darum geht es uns Heimatfreunden nicht. Der ideelle Wert der Münzen war ja viel höher, praktisch unbezahlbar. Es bleibt uns traumhaft vielleicht die Hoffnung, dass sie irgendwann durch ein Testament wieder nach Bongard zurückkehren, denn wegen spekulativem Geldgewinn kann sie der Käufer 1986 nicht erworben haben. Als heimatkundlicher Beitrag sei dazu noch erwähnt, dass in der oben genannten Auktion 1986 das Landesmuseum Trier die römischen Fundmünzen von Schutz, Kreis Daun, unter der Inventarnummer EV.86,33 und den Schatzfund von Bereborn aus der „Franzosenzeit“, der sogenannten „Fränkischen Republik“, unter der Inventarnummer EV.86,35 ersteigert hat.
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F und s t e l l e Hönkelsberg, Aufnahme 1979 (Film 14 em)
Nachtrag zu den archäologischen Funden  vom Barsberg aus der R ömerzeit  Auf dem Barsberg barg man 1988 zwei Schatzfunde römischer Münzen. Der eine enthielt 344 Münzen aus dem Gallischen Sonderreich (Postumus-Tetricus I./II.). Der andere Fund enthielt 16 Münzen, die offenbar bei einer früheren Raubgrabung übersehen wurden. Beide Funde stammen aus der gleichen Zeit 260-273 n. Chr. Sie kamen an die Kreisverwaltung in Daun. Desweiteren fand man 2 römische Bronzetafeln mit Inschriften (Kurtrier. JB 1991). Die 360 römischen Münzen aus den zwei Schatzfunden von 1988 sind bis dato noch nicht wis- sen-schaftlich untersucht worden.  Nach Auskunft von Dr. K.J. Gilles vom Rheinischen Landesmuseum Trier sind es überwiegend barbarisierte Prägungen. Sie reihen sich in das Geschichtsbild der Römerzeit nach den übrigen Bodenfunden nahtlos ein. Zwei Bronzetafeln aus der Römerzeit vom Barsberg  Bericht im Kurtrierischen Jahrbuch 1991 von Lothar Schwinden   Weihung und Patronatstafel (?) Sehr viel seltener als Inschriften auf Stein sind uns Inschriften auf Bronze aus der Römerzeit erhalten geblieben. Und dabei bergen gelegentlich gerade Bronzeinschriften Dokumente eines besonderen Inhaltes. Außer für Kleininschriften wurden in römischer Zeit Bronzetafeln zur Beurkundung wichtiger Rechtsakte verwandt. Aus Trier ist so zum Beispiel jüngst der Rest eines Militärdiploms, der Entlassungsurkunde eines wohl einheimischen Soldaten aus dem römischen Militärdienst mit ein hergehender Bürgerrechtsverleihung, bekannt geworden (Binsfeld). Etwas zahlreicher sind auch aus unserer Region Weihinschriften auf Bronze, die eine Verehrung der Götter bezeugen. Auf dem zur Gemeinde Bongard (Kr. Daun) gehörigen Barsberg sind nun im Sommer 1988 zwei rö-merzeitliche Bronzetafeln mit Inschriften gefunden worden. Die Fundstelle ist bekannt als vorge-schichtliche Befestigungsanlage, die in römischer Zeit auch in den Wirren um 275 n.Chr. und in der 1. Hälfte des 4. Jahrhunderts erneut aufgesucht worden ist (Gilles 224 f.). Bereits beim ersten Anblick drängt sich der Eindruck auf, daß beide Tafeln in irgendeiner Form zusammengehören. Die erste Tafel trägt eine vollständig erhaltene Weihinschrift auf der Vorderseite. Die Tafel ist 8,6 x 7,3 cm groß bei einer Dicke von 1,8 mm durchschnittlich. Die Tafel ist wohl vor dem Eingravieren der Inschrift zurechtgeschnitten worden. Die vollständige Inschrift nimmt mit ihren Zeilenenden und Worttrennungen auf die Ränder und einen abgearbeiteten älteren Streifen unter der Oberkante Rücksicht. Zu lesen ist: Deo Marti VoI/mioni.L(ucius) Ac/ceptius Minu/sus ex voto
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Dem Gott Mars Volmio hat Lucius Acceptius Minusus auf Grund eines Gelübdes (die Weihung dargebracht). Die Inschrift richtet sich an den Gott Mars, der im Trevererraum eine durch zahlreiche Inschriften belegte intensive Verehrung genossen hat (Merten). Daß der Gott hier in keltischer oder gallo-römischer Deutung und in anderer Funktion als der römische Kriegsgott Mars verehrt wurde, ergibt sich aus dem vollständigen Namen Mars Volmio. Mars hat in der Bronzeinschrift vom Barsberg einen einheimischen Beinamen. Im Treverergebiet trägt Mars entweder stets einen Beinamen oder er tritt mit einer einheimischen weiblichen Gottheit als Begleiterin auf. Lenus Mars kennen wir als treverischen Heilgott; die Funktion der ebenso noch weiter verbreiteten Gottheiten Mars Intarabus, Mars Camulus und Mars Cnabetius ist vielleicht zu erahnen. Die anderen Mars-Gottheiten, deren Namen nur einzeln belegt sind, geben ihren Charakter nicht preis. Es handelt sich wohl in der Regel um lokal verehrte Gottheiten, deren Schutz sich auch häufig wohl nur auf den betreffenden Ort der Verehrung bezog. Volmio ist jedenfalls ein guter keltischer Beiname für Mars. Götternamen auf -io endend treten innerhalb der gesamten gallisch-germanischen Provinzen mit besonderer Dichte in der Eifel auf. Neben Abellio von der Garonne und Temusio (Chalon sur Saòne) sind als Götternamen Artio, Caprio, Susurrio und Vorio aus dem weiteren Eifelgebiet zwischen Trier und Aachen belegt. So mag auch Mars Volmio in der Eifel Verehrung gefunden haben, selbst wenn man in Rechnung stellen muß, daß das kleine Bronzetäfelchen auf den Barsberg in den Kreis Daun verschleppt worden sein mag. In diese Richtung der Namensdeutung weist ebenfalls der Stamm Vol-, der auch durch Personennamen aus dem Treverergebiet gesichert ist (Volia Prima, CIL XIII 4044. Vollionius, XIII 4226). Der Stifter heißt Lucius Acceptius Minusus. Eine gewisse Kuriosität bietet auf den ersten Blick zumindest der Beiname (Cognomen) Minusus. Minusus ist inhaltlich verwandt mit Minutus, dessen Namensbedeutung von minuere –„verkleinern" hergeleitet ist. Der Name Minutus wird unter die Cognomina eingereiht, die auf eine körperliche Eigenschaft Bezug nehmen. Zumindest Minutus, aber wohl auch Minusus spielen ähnlich wie der Name Brevis auf kleinen Wuchs an. Ein solcher Name ist zwar nicht gerade von Rücksicht geprägt, aber doch jedenfalls phantasievoller als die häufigen lateinischen Namen Primus, Secundus, Tertius . . .- „der Erste, der Zweite, der Dritte,...". Da unter den römischen Namen Minusus allerdings sehr selten ist, könnte der Name dennoch keltisch hergeleitet sein, obwohl er auf den ersten Blick einen lateinischen Ursprung andeutet. Finden wir sonst im gallischen Bereich Minusus nicht belegt, so tritt doch mehrfach Minuso auf; bei Minusus ist an einen Stamm Minus- statt der keltischen Namensendung auf -o eine Endung auf -Us getreten und damit der Name latinisiert worden. Acceptius/Acceptus gehört der römisch-italischen Namengruppe an. Der Name ist allerdings bei den Treverern auffallend häufig, während er zum Beispiel bei dem benachbarten Stamm der Mediomatriker bislang nicht bekannt geworden ist. Bei Acceptius der Bronzeinschrift handelt es
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sich offensichtlich um ein gallisches Pseudogentiliz; das bedeutet, daß Acceptius seinen Namen  von Acceptus als dem Namen des Vaters herleitet. Die gesamten Beobachtungen zum Namen L. Acceptius Minusus legen nahe, daß es sich bei dem  Namensträger um einen Einheimischen aus dem Treverergebiet handelt. Die von ihm verehrte  Gottheit Mars Volmio trägt ebenfalls stark einheimischen und lokalen Charakter.  Nach ihrem Formular ist die Weihinschrift in die 2. Hälfte des 2. Jahrhunderts oder in das frühe  3. Jahrhundert zu datieren, Hinweise hierauf geben die Art der Götternennung mit einleitendem  deus einerseits und der Name des Stifters andererseits. Die Rückseite dieser Tafel trägt um die Horizontalachse gedreht zwei große Buchstaben einer offensichtlich längeren Inschrift. Zu lesen sind T, 3,1 cm hoch, und L, 3,4 cm hoch; hinter beiden Buchstaben findet sich jeweils ein Worttrenner. Die zweite Tafel weist auf ihrer Vorderseite den Rest von zwei Zeilenenden einer längeren Inschrift auf. An zwei Seiten ist die Inschrift eingefaßt von dem unteren rechten Winkel der Rahmung der ursprünglich größeren Inschrifttafel. Die erhaltene zweite Tafel ist 8,6 cm breit bei einer Höhe von 6,6 cm, die Dicke beträgt durchgehend 1,8 mm, an der rechten Seite gemeinsam mit Resten der Rahmung bis zu 2,5 mm. Die Inschriftfläche liegt um 0,3 mm tiefer als der sie an zwei Seiten umgebende Rahmen. Zu lesen ist noch:  ---] RE DIGNETVR ---] AE EI TABVLAE  In der zweiten Zeile ist i von ei durch ein Ilonga als langes betontes i: hervorgehoben. Das verstärkt den ersten Eindruck, daß es sich um die Reste von Versen handelt. Vom metrischen Schema zu erkennen wäre noch ´-]vv´für den Schluß des vorletzten Verses  -´]re dignétur und v-´vv-´ für ei tabulae als Schluß des letzten Verses. Der zweite Vers sieht damit nach einem daktylischen Pentameter, der vorangehende nach einem Hexameter und beide Verse demnach gemeinsam nach einem Distichon aus. Zahlreiche epigraphisch überlieferte Verse weichen von den für Prosodie und Metrik gültigen Normen ab. So sind auch hier die Abweichungen von diesen Regeln zu beobachten. Das zweite Glied des Pentameters endet nicht mit einem zweisilbigen iambischen Wort. In den ersten erhaltenen Buchstaben des zweiten Verses mit drei aufeinanderstoßenden Vokalen liegt eine Synaloephe (Verschmelzung) vor. Die betonte Länge ist, wie bereits gesagt, durch I-longa bei ei von dem Graveur der Bronzeinschrift angedeutet worden. Die Synaloephe muß auch hier zu einer Akzentverschiebung geführt haben. Von jedem der beiden Verse sind nur jeweils knapp zwei Versfüße (Daktylen und Spondeus) erhalten. Wenn es sich bei den beiden Versen nun um ein Distichon handelt, so kann aus dem erhaltenen Metrum die ursprüngliche Breite der Verse erschlossen werden. Erhalten ist jeweils knapp ein Drittel der Verse. Bei zwei zu ergänzenden Dritteln dürfte die Bronzetafel etwa 25 cm Breite gehabt haben. Auch aus der Ligatur VR bei dignetur wird offensichtlich, daß der Graveur das Versende mit dem Zeilenende gleichsetzen wollte. Es ist schwierig, aus den erhaltenen Worten einen Sinn der Inschrift und eine Funktionsbestimmung der bronzenen Inschrifttafel erschließen zu wollen. ---Ire dignetur – „er würdigt"
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oder „er hält für würdig"; dignor wird häufig mit honore – „Ehre" verbunden, was hier ebenso  nach den Buchstabenresten möglich ist wie die Verbindung mit einem Verb im Infinitiv. --]ae ei  tabulae – „ihm/ihr. . . Tafeln"; im zweiten erhaltenen Vers ist von Tafeln die Rede, die in Bezug zu  einer Person stehen. Auch in Anbetracht des Fundgegenstandes, einer Bronzetafel, drängt sich  geradezu auf, die erhaltenen Buchstabenreste dahingehend zu deuten als „eherne Tafeln"; in dem  Schlußvers wäre dann die Rede von solchen ehernen Tafeln aeneae tabulae oder aereae tabulae.  Auf den ersten Blick scheinen sich die Versreste auf eine Weihung mit einer Bronzetafel an eine  Gottheit zu beziehen. Auch wenn dieses nicht auszuschließen ist, sind solche inschriftlichen  Weihungen mit der hier benutzten Wortwahl selten und im gallisch-germanischen Bereich über- haupt nicht anzutreffen. In Militärdiplomen ist zwar auch von tabulae aeneae die Rede; aber mit  dem Formular von Militärdiplomen, mit der dort kleinen Schrift und mit der Gestalt jener  Bronzetafeln stimmen die Tafeln vom Barsberg nicht überein. Schließlich bleibt noch eine letzte Gruppe, die in besonders auffälliger Regelmäßigkeit sowohl den Begriff dignetur in Verbindung mit einem Verb als auch tabulae aeneae nennt; es sind die tabulae patronatus, bronzene Tafeln, die nach dem Beschluß einer Patronatsverleihung und der Annahme der Ehrung als Urkunden ausgestellt wurden. Über 1000 Patronatsverleihungen, meist von Gemeinden oder Vereinen an eine einflußreiche Person als Patron, sind bekannt. Das Hauptverbreitungsgebiet beschränkt sich allerdings auf Nordafrika, Spanien und Italien. Obwohl solche Patronatsverleihungen für Gallien nicht auszuschließen sind (Nicols 535.538 f.), gibt es bisher kaum Belege für diese Regionen. Als iuristische Texte sind Patronatstafeln auch nicht in Versform abgefaßt. Eine Ehrung eines Patrons in Gedichtform ist aus der Spätantike für Valenus Dalmatius, Statthalter der Provinz Lugdunensis III., von einer Bronzetafel (ILS 8987) bekannt. Auch wenn es überraschend erscheint, die nächstliegende Möglichkeit einer Funktionsbestimmung dieser Bronzetafel ist die, daß sie in irgendeinem Zusammenhang mit einer Patronatsverleihung steht. Damit wäre diese Tafel einer der selteneren Hinweise zum Patronat in Gallien, insbesondere im Trevererland. Der iuristische Akt der Patronatsverleihung müßte im Hauptort, in Trier, vorgenommen worden sein. Unter diesen Voraussetzungen könnte eine Wiederherstellung des Textes in Anlehnung an die Ausdrucksweise der Patronatstafeln (etwa ILS 7218) dahingehen: --- / ut perpetua gloria nos fove]re dignetur /[sunt decreti datae aene]ae ei tabulae. Die Rede wäre von dem Patron, der mit seiner Würde, aber auch mit seinem gesellschaftlichen Einfluß seine Klientel zu zieren und ebenso zu schützen vermag. Wie bei dem Akt der Patronatsverleihung üblich, wurde neben einer öffentlichen Bekanntmachung durch den auserwählten Patron als Zeichen seines Patronates der Beschluß auf einer Bronzetafel niedergeschrieben überreicht. Mit der Aushändigung und der Annahme der Patronatstafel wurde das gegenseitige Vertragsverhältnis anerkannt. Die Patronatstafeln hatten häufig eine Größe von 28 x 35 cm, obwohl auch stärkere Abweichungen von dieser Größe möglich waren (Nicols 536). Des weiteren konnte die Klientel in anderen inschriftlichen Ehrungen der Segnungen eines Pat-ronats gedenken. Die zweite Tafel weist auf der Rückseite keine Inschrift mehr auf. Zu bemerken sind nur Schleifspuren und ein Rand, wie er auch auf der Vorderseite der Tafel 1 auftaucht. Tafel 2 um die Horizontalachse zur Rückseite hin gedreht, hat den Rand an der linken Seite. Daß beide Tafeln in irgendeiner Form zusammengehören müssen, ist bereits eingangs angedeutet worden. Aus dem Verhältnis der beiden Inschriften zueinander erhellt sich weiteres auch über den Inschriftträger. Die Versinschrift der Tafel 2 ist durch das Zerschneiden zerstört. Die Weihinschrift der Tafel 1 dagegen hat auf die Schnittkanten Rücksicht genommen. GESCHICHTLICHES
Daraus zu schließen ist, daß die ursprünglich etwa 25 cm breite Tafel mit der Versinschrift zerschnitten worden ist. Die Höhe dieser Tafel ist nicht mehr bestimmbar. Des Weiteren zu erkennen ist, daß die Weihinschrift für Mars Volmio auf der Rückseite eines abgetrennten Teils der ursprünglichen Tafel eingraviert worden ist. Die Spuren über der Weihinschrift gleichen trotz ihrer Abarbeitung den Spuren an der Rückseite der Versinschrift. Tafel 2 Rückseite und Tafel 1 spätere Vorderseite nebeneinandergelegt zeigen diese Beobachtung anschaulich. Die Streifen des Randes sind auf beiden Tafeln gleich breit, wenn auch diese Streifen wie die Inschriftfläche der Tafel mit Weihinschrift noch nachbehandelt sind. Wie an Tafel 2 besser zu ersehen ist, rühren die Streifen von einer früheren Auflötung der Tafel her. Diese Streifen mit Resten von noch anhaftendem Weißmetall als Weichlot unterscheiden sich deutlich von der Rahmenecke an der Versinschrift. Die Rückseite der Tafel 1 mit der Weihinschrift ist für eine spätere Wiederverwendung mit Feilen angerauht worden; von einer frühestens zweiten Verwendung sind hier an den beiden Längsseiten Lötspuren zu erkennen. Aus diesen Beobachtungen ergibt sich zusammenfassend, daß eine größere Tafel mit Versinschrift zerschnitten wurde; die Weihinschrift für Mars Volmio ist auf der Rückseite eines Teiles der älteren Inschrifttafel eingraviert worden. Zahlreiche antike Werkspuren sind festzustellen. Auch wenn hier nicht der Ort ist, diese zu diskutieren, sind sie dennoch von einem beachtlichen Informationswert zur Technik der antiken Metallverarbeitung. Auf Grund der Datierbarkeit der Weihinschrift kann das Zerschneiden der Inschrifttafel frühestens Ende des 2. Jahrhunderts n. Chr., unter Umständen aber auch sehr viel später ausgeführt worden sein. Die beiden Bronzetafeln sind auf dem Barsberg in einer in römischer Zeit mehrfach wieder aufgesuchten vorgeschichtlichen Befestigung gefunden worden (Gilles 224). Auch wenn ein Bergheiligtum auf dem Barsberg nicht auszuschließen ist (Gilles, Trierer Zeitschr. 50, 1987, 253), ist die Weihinschrift für Mars Volmio wohl ebensowenig für diesen Ort gemacht worden wie die metrische Inschrift der zweiten Tafel. Auch auf Grund des unterschiedlichen Charakters der Inschriften stammen die beiden von ihrer äußeren Gestalt so gleichartigen Tafeln eher aus dem Depot eines Handwerkers oder Metallhändlers. Da beide Teilstücke an derselben Fundstelle entdeckt worden sind, ist davon auszugehen, daß die Weihinschrift kaum jemals die ihr zugedachte Verwendung tatsächlich auch erhalten hat. Vielleicht ist die Weihinschrift verworfen worden, nachdem ein Bruch aufgetreten war, hervorgerufen durch die tiefe Rille des Buchstabens L der Rückseite. Die Fundstelle gehört zu den Höhensiedlungen der Eifel, die in spätrömischer Zeit aufgesucht wurden (Gilles). Die Funde aus jüngster Zeit, auch latènezeitliche Objekte wie ein eisernes Tüllenbeil und das Fragment einer eisernen Schüsselfibel, unterstreichen die Beobachtung, daß es sich bereits um eine vorgeschichtliche Befestigungsanlage handelt, die in römischer Zeit unter besonderen Umständen wiederbenutzt worden ist. Neben einer Zuflucht in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts hat der Barsberg auch in den Wirren um 275 n. Chr. Schutz geboten. Zwei Münzschätze mit Schlußmünzen des Tetricus I. und II. von 274 n. Chr. sind erst 1988 entdeckt worden. Dies wird auch durch einen Anteil von Keramik des ausgehenden 3. Jahrhunderts bestätigt. Die Auswertung der Metallfunde von spätrömischen Höhenbefestigungen (Gilles) hat ergeben, daß ein Teil der Metallgegenstände als Rohmaterial auf die Höhen mitgenommen worden war und zum Einschmelzen bestimmt war. Halbfertige Fabrikate, zum Beispiel noch mit Gußzapfen, und Bronzegußkuchen bestätigen die Eisen- und Bronzeverarbeitung in den Höhenbefestigungen. Darauf, daß diese Situation auch auf dem Barsberg gegeben war, weisen Eisenbarren von der Fundstelle, sonstige zahlreiche
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Römische Geschichte unserer Eifelgegend anhand der Münzfunde vom Barsberg, Hönkelsberg, Hochkelberg u.a.  Die älteste bisher bekannt gewordene Münze von der römischen Siedlung „Hönkelsberg“ ist ein Sesterz (S) des Kaisers Antoninus Pius, sie wurde 155/157 in Rom geprägt. Antoninus war von Kaiser Hadrian (117-138 n. Chr.) adoptiert worden und wurde nach dessen Tod neuer römischer Kaiser. Er regierte von 138-161 n. Chr.. Kein anderer römischer Kaiser hat eine so langjährige Friedenspolitik betrieben wie er. Deshalb erhielt er vorn Senat den Beinamen „Pius“ (der Fromme) und „Pater Patriae“ (Landesvater). Je eine Münze seines Vorgängers Hadrian und seines Nachfolgers Marc Aurel (161 - 180 n. Chr.) fand man in einem römischen Brunnen in Kradenbach (siehe Jahrbuch Kreis Daun 1985, 219ff, e.m.). Damit zeigt sich, daß das allgemein friedliche zweite Jahrhundert unserer christlichen Zeitrechnung eine zunehmend römische Besiedlung in unserer Eifelgegend erfuhr. An anderen Metallreste, besonders viele Bronzeteile, unter anderem der linke Arm einer Bronzestatuette und  Eisenwerkzeuge hin. Es liegt auf der Hand, daß die beiden Bronzetafeln ebenso wegen ihres Materials zum  Einschmelzen auf den Barsberg gebracht wurden. Ungeklärt bleibt allerdings, ob dies um 275 n.  Chr. oder im 4. Jahrhundert geschah, obwohl die Zusammengehörigkeit der beiden Bronzetafeln  vielleicht eher für den Zeitrahmen Ende des 3. Jahrhunderts spricht. Neben den beiden bekannt- gewordenen, von zwei verschiedenen Findern entdeckten Bronzetafeln mit Inschriften soll noch  eine dritte, mit keiner der beiden anderen identische Tafel gefunden worden sein. Da sie als  „unbedeutend" wieder weggeworfen wurde, ist uns bislang vermutlich ein dritter hochinteres- santer und das Dunkel aufklärender Text entgangen. Anmerkung: Die Veröffentlichung der Fotos erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Rheinischen Landesmu-seums Trier (Fotos: Th. Zühmer)
Orten begann die römische Besiedlung schon ein Jahrhundert früher im ersten Jahrhundert unse- rer Zeitrechnung, so u.a. bei Boos. Die bisher älteste Münze vom „Schneeberg“ bei Boos ist eine  As-Münze des Kaisers Caligula, sie wurde 37/38 n. Chr. in Rom geprägt. Caligula war ein Sohn  des Feldherrn Germanicus, welcher 14-16 n. Chr. rechtsrheinisch tief nach Germanien eingedrun- gen war und die Niederlage des Varus 9 n. Chr. im Teutoburger Wald wettzumachen suchte.  Aber auch aus dem zweiten Jahrhundert fand man römische Münzen bei Boos (bis ins 4. Jh.). Die  Münzen aus dem zweiten Jahrhundert stammen gleichfalls von den Kaisern Hadrian, Antoninus  Pius und Marc Aurel, dem „Philosophenkaiser“ (siehe Jahrbuch Kreis Mayen-Koblenz 1990, 140ff,  e.m.). Der Münzfund vom Bongarder ,,Hönkelsberg" bringt nach dem Kaiser Antoninus Pius eine Unterbrechung bis in die Zeit Kaiser Konstantin I. (Folles-Münzen (Fol), 320/324 - 335/337, meist in Trier geprägt), während die beiden Schatzfunde vom Barsberg das Gallische Sonderreich mit überwiegend barbarisierten Prägungen belegen. War auf dem Barsberg im Gallischen Sonderreich (259 - 273) vielleicht eine provisorische Münzschmiede, die Notgeld prägte? Über das Gallische Sonderreich bis zum allgemeinen Zerstörungshorizont 353/355 in unserer  Eifelgegend geben uns die Münzfunde vom Hochkelberg aufschlußreiche Auskünfte.  Der Hochkelberg ist 8 km vom Nürburgring entfernt. Seit Generationen erzählen sich die Eifeler  Ge-schichten vom Hochkelberg. Vom goldenen Wagen, vom unterirdischen Gang, von der Burg  aus Kelten- und Römerzeit, von Tempelherren, die Verbindung zu den Frauen im nahegelegenen  Kloster gehabt haben sollen und anderes mehr. Alles nur Geschichten, die niemand so recht ernst  genommen hat. Was wirklich da oben geschah, ist kaum bekannt. Der Hochkelberg hat, ähnlich wie der Barsberg, seit Jahrtausenden militärische Bedeutung als  Orientierungspunkt, Signalstation, Verteidigungsstützpunkt. Er war schon in der Steinzeit besie- delt (Fund einer Feuersteinklinge). Die Besiedlung während der Keltenzeit ist in der näheren  Umgebung ebenfalls reichlich belegt (Hügelgräber). Die römische Besiedlung ist klar erwiesen.  1976 begannen Truppen der Bundeswehr mit der teilweisen Zerstörung dieser kulturgeschicht- lichen Anlage, indem sie dort Übungskampfstände wie Schützenlöcher, MG-Stände und  Stacheldrahtverhaue einbauten. Die Bewohner der Umgebung hätten die Zerstörung ohne Widerspruch hingenommen, wenn nicht Herr F. Hörter, Lehrer in Mayen, eine Beschwerde an den Standortkommandanten gerichtet hätte. Innerhalb weniger Tage hatte er Antwort. Dem betreffenden Truppenteil wurde befohlen, ab sofort die Übungen dort oben einzustellen, die ausgehobenen Schützenlöcher wieder einzuebnen und den Stacheldraht zu beseitigen. Damit wäre fast der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt worden. Aber nur fast. Durch die Grabungen der Bundeswehr sind nämlich umfangreiche Funde an Eisen-und Bronzeteilen, Keramik-Geschirr und Münzen aufgetaucht. Ich erhielt Kenntnis davon durch A. Poss, früher Lehrer in Uess, dem wir auch die Sicherstellung vieler Fundstücke verdanken. Bisher sind 26 Römermünzen vom Hochkelberg bekannt geworden. Die ersten zwei wurden 1934 bei Raubgrabungen gefunden. Sie sind aber leider nur noch in einer Zeichnung vorhanden. Ihr Verbleib ist unbekannt. 1976 bis heute wurden 24 weitere Münzen gefunden. Die Münzfunde ermöglichen erstmals eine genaue Zeitbestimmung der Besetzung des Hochkelberges durch die Römer und erhellen damit ein Jahrhundert Geschichte in unserer Gegend. Die älteste gefundene Münze stammt von Kaiser Gallienus (253-268). Dieser erhält kurz nach der Machtübernahme seines Vaters Valerian I. im Jahre 253 das Oberkommando im Westen und wird nach dessen Gefangennahme durch die Perser 260 n. Chr. Alleinherrscher über das Gesamtreich.
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Gallienus regiert aber nicht vom grünen Tisch aus in Rom, wir finden ihn bei seinen Truppen an der Front. In Deutschland, am Rhein, schlägt er erfolgreich die Angriffe der Germanen zurück. Hier hat er die Lage fest im Griff und drückt dies auch in der Prägung entsprechender Münzen aus: Germanicus maximus (= größter Germanenbezwinger). Im Jahre 258 n.Chr. erreicht den Kaiser die Nachricht von einem Aufstand an der mittleren Donau (in Pannonien). Das macht seine Anwesenheit als Feldherr erforderlich. Er zieht mit einem Teil seiner Truppen vom Rhein ab nach Pannonien. Am Rhein läßt er erfahrene Frontoffiziere zurück. Aber er macht einen Fehler. Er ernennt nicht  einen von ihnen zu seinem Stellvertreter, sondern seinen jungen, noch unerfahrenen Sohn  Saloninus. Als dieser 259 in Köln weilt, erfolgt der Umsturz. Der höchste Frontoffizier Postumus  läßt sich zum Augustus (= oberster Herrscher) ausrufen und den jungen Saloninus ermorden. Der  rechtmäßige Kaiser war dagegen machtlos, weil er an anderen Frontabschnitten gebunden war.  Die Münzen des Gallienus unterscheidet man in zwei Perioden. Erstens die Periode der gemeinsa- men Regierung mit seinem Vater Valerian I. (253-260). Zweitens die Periode seiner  Alleinherrschaft (260-268). Die auf dem Hochkelberg gefundene Münze fällt in die zweite  Prägeperiode. Die Vorderseite zeigt das Porträt des Kaisers nach rechts. Die Rückseite ist dem  Kriegsgott Mars gewidmet, der den Frieden bringen soll. Die Münze ist für ein Foto zu schlecht  erhalten, so daß wir sie in einer Zeichnung wiedergeben. Kriege kosten Geld. Je mehr Krieg, desto weniger wird das Geld wert. Diese Tatsache kann man in den beiden Jahrtausenden unserer geschriebenen Geschichte immer wieder feststellen. So auch unter Gallienus. Unter seiner Regierung und der seines Nachfolgers Claudius II. Gothicus erreichte die Münze Antoninian, ursprünglich unter dem Kaiser Caracalla (198-217) ein Doppeldenar, den niedrigsten Wert. Statt des ursprünglichen Silbergeldes finden wir die Antoniniane nur noch als geringfügig versilberte Kupferstückchen oder gar als bloße Kupferstückchen von 1- bis 2Pfennig-Größe. Ein römischer Legionär verdiente etwa 3 solcher Geldstücke pro Tag. Doch kehren wir zu den Ereignissen zurück. Gallienus konnte nicht verhindern, daß unter Postumus praktisch ganz Westeuropa einschließlich Spanien und England von Rom abgetrennt wurde. Die Geschichtsschreiber haben diesem Staat den Namen „Das Gallische Sonderreich" gegeben. Es hatte fast anderthalb Jahrzehnte Bestand (259 -.273). Seine Hauptstadt war die Etappenstadt Trier, neben der Frontstadt Köln. In beiden Städten wur- den in dieser Zeit Münzen geprägt.
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Antoninian-Münze des Kaisers Gallienus (253 – 268) geprägt in Rom 260 – 268, Ø 16,5 m, Katalog-Nr. RIC 236. Vs.: Kopf des Kaisers mit Strahlenkrone nach rechts. Rs.: Mars schreitet nach links, mit  Ölzweig, Speer und Schild
Die Germanen rechts des Rheins werden Wind bekommen haben von den inneren Unruhen im westlichen Römerreich bei der Erhebung des Postumus. Sie gehen 259/260 n. Chr. zum Angriff über. Der Grenzwall Limes und die rechtsrheinischen Römerkastelle Niederbieber, Saalburg u. a. fallen in ihre Hände. Noch heute kann man auf den Neuwieder Berghöhen kilometerlang dem damaligen Grenzwall folgen. Zwar gelingt es Postumus, die Offensive am Rhein zu stoppen, aber das rechte Rheinufer ist seit- dem für die Römer verloren, der Rhein ist Grenze geworden. Fast ein Jahrzehnt lang schlägt Postumus (259-268) erfolgreich alle Angriffe von außen und innen ab, so unter anderem gegen Gallienus, der um 267 n.Chr. vermutlich Trier belagert und dabei selbst verwundet wird. Es folgen unruhige und gefährliche Jahre für das Römerreich. Allein im Jahre 268 werden fünf Kaiser ermordet: Gallienus, Postumus, Laelianus, Marius und Dimitianus II., der uns nur durch eine Münze bekannt geworden ist. Ihre Nachfolger, Victorinus in Westeuropa (Gallien) und Claudius II. Gothicus, rechtmäßiger Kaiser im übrigen Römerreich, regieren beide nur knapp zwei Jahre, also bis 270 n.Chr.. Die Bewohner unserer Gegend werden die Entwicklung mit großer Spannung verfolgt haben, denn alle diese Ereignisse spielten sich im wesentlichen in unmittelbarer Nähe unserer Vorfahren ab. Postumus und Laelianus finden bei Mainz den Tod, Manus vermutlich bei Köln. In Köln wird 270 auch Victorinus ermordet. Hinzu kommen merkwürdige Gerüchte aus den Ostprovinzen des Reiches. Dort soll eine einzige Frau das Römerreich erschüttern. Zenobia, die Herrscherin von Palmyra in Syrien, bringt die Logik der Römer in Verwirrung. Ihr getöteter Mann, König Odainathus, hatte die Römer im Kampf gegen die Perser kräftig unterstützt und war mit höchsten Ehren und Titeln bedacht worden. Er genoß das vollste Vertrauen Roms. Jetzt benutzt Zenobia die Machtstellung für ihre eigenen Pläne. Sie nutzt Vertrauen und militärische Schwäche der Römer geschickt aus und dringt bis in die Kornkammer Roms nach Ägypten ein. Zenobia muß einen so erschütternden Eindruck hinterlassen haben, daß ihr Name durch die Jahrhunderte in der Erinnerung der Generationen haften blieb. Noch heute sagt man in der Eifel, wenn Wirrwarr und Unordnung herrschen: ,,Wat es dat für'n Zenoba". So wurde Zenobia zum Begriff für chaotische Zustände. Erst dem Kaiser Aurelian (270-275) gelingt es, die verworrenen Zustände im Reich wieder zu ordnen. Er besiegt Zenobia im Osten und wendet sich 273 gegen das Gallische Sonderreich. Hier regiert als letzter Kaiser Tetricus I. (270-273) und sein Sohn Tetricus II. (270-273) als Kronprinz. Beide ergeben sich den Truppen des rechtmäßigen Kaisers Aurelian und retten dadurch ihr Leben. Als Kaiser Aurelian 275 ermordet wird, glauben die Germanen an ihre Stunde. Auf breiter Front be-ginnen sie mit der Invasion. Im Südabschnitt landen alle Mannen (Alemannen) auf dem linken Rheinufer, weiter nördlich sind es die Freien, die Franken. Sie stürmen durch Eifel und Hunsrück tief nach Gallien hinein. Eine Höhenbefestigung nach der anderen wird besiegt, ihre Heerscharen verheeren das Land. Die Hauptstadt Trier wird erobert, geplündert, zerstört. Insgesamt werden 70 zerstörte Städte gemeldet, eine für die damalige Zeit erschreckend hohe Zahl. Unser Münzfund auf dem Hochkelberg wird mit diesem Zeitabschnitt unterbrochen. Die letzten Prä-gungen vor dieser Zerstörung sind von Kaiser Victorinus (268-270) und Tetricus I. u. II., den letzten Gallischen Kaisern. Sie beweisen uns, daß der Hochkelberg im Gallischen Sonderreich von den Römern besetzt war. Zwei dieser Münzen sind sogenannte barbarisierte Prägungen. Darunter versteht man nach neuerer Erkenntnis nicht Prägungen von Barbaren, also etwa Falschgeld der Germanen, sondern Notgeld, das in Krisenzeiten in einer provisorischen Münzschmiede in der
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näheren Umgebung geschlagen wurde, wenn die Versorgung mit amtlichem Reichsgeld unterbrochen war. Die nächste Münze aus dem bisherigen Fund ist erst nach 310 geprägt worden. Wir erkennen daraus eine Lücke der Besiedlung von mehreren Jahrzehnten. Nun würden die bis jetzt gefundenen Münzen für sich allein noch keinen repräsentativen Querschnitt bilden, um solche Schlüsse zu ziehen. Aber die vielen Tausende von Fundmünzen an anderen Orten decken sich sowohl mit der Zeit der Besiedlung als auch der Unterbrechung, so daß wir es hier nur mit einem Parallelfall zu tun haben, der sich an die anderen schlüssigen Funde anreiht und sie ergänzt. Herr Dr. K. J. Gilles vom Rheinischen Landesmuseum Trier, der seine Dissertation über spätrömische Höhensiedlungen in Eifel und Hunsrück geschrieben hat, darunter auch der Hochkelberg, äußert sich zu den Münzen: „Sie gehören offenbar - wie die Keramik - zu zwei verschiedenen Zerstörungshorizonten. Die erste Besiedlung endete wohl mit den verheerenden Germaneneinfällen um oder nach 275 (bei 51 Bergbefestigungen 15 mal festgestellt), die zweite Phase schließt wohl ebenfalls mit einer Zerstörung um 353 (bei 51 Befestigungen sogar 45mal mit Sicherheit festgestellt)." Nach dem Germanensturm von 275/276 gelingt es zwar dem Kaiser Probus (276/282), die Angreifer wieder aus den eroberten Städten zu vertreiben und bis an den Rhein zurückzudrängen, aber die Höhenbefestigungen werden nicht alle sofort wieder besetzt. Auch der Hochkelberg nicht. Probus versucht, das Problem der dauernden Germaneneinfälle durch wirtschaftliche Maßnahmen  zu lösen. Er siedelt Franken auf linksrheinischem Gebiet an oder nimmt sie in seine Armee auf.  Das kommt der Ernährungswirtschaft zugute und stärkt die Verteidigungskraft.  Hospes (= Gastfreund) nannte man den Ansiedler. Heute sagen wir Gastarbeiter dazu.  Ein solcher Hospes hatte natürlich keine Ahnung von den Sitten und Gebräuchen der einheimi- schen Bevölkerung, in deren Nachbarschaft er künftig leben sollte. Er kannte weder die Umgebung  noch die Gewohnheiten ihrer Bewohner, vielleicht nicht einmal ihre Sprache. Da war es leicht,  ihn zu foppen und zu hänseln. Man nahm den Hospes wohl nicht ganz für voll. Das hat sich bis  heute kaum geändert. Noch heute sagen die Eifler um den Hochkelberg zu jemand, der sich tol- patschig, ungeschickt anstellt: „Wat bes dau da für'n Hospes". Hier gilt Hospes als Begriff für  einen plumpen, ungeschickten Menschen. Damals mußten die einheimischen Bauern die Ansiedlung von Germanen als Schwäche der Römer deuten. Sie hatten gesehen, wie germanische Krieger die Römer in ihren Bergbefestigungen besiegten, in die Flucht schlugen, verfolgten. Die Römer waren also nicht unbesiegbar, ihr eigenes Los als Ausgebeutete nicht unabwendbar. Man müßte sich in einer Widerstandsbewegung zusammentun, um die Besatzer endgültig zu vertreiben. Aber so weit war es noch nicht. Die Römer kamen in regelmäßigen Abständen wieder, um ihren Tribut zu holen. Es wird die Bauern zutiefst empört haben, wenn dabei dem Neusiedler, dem Hospes, Steuererleichterungen gewährt wurden, die man ihnen selbst verweigerte. Als in den folgenden Jahren der Abgabedruck noch zunahm, ohne daß die Römer die alten Bergbefestigungen neu besetzten, kam es zum bewaffneten Aufstand. In völliger Unterschätzung der militärischen Lage „zogen aufrührerische Scharen unterdrückter Bauern sengend und brennend durch Gallien und suchten Stadt und Land auf das furchtbarste heim". Der Aufstand der Bauern 285/286 ist als „Bagauden-Aufstand" in die Geschichte eingegangen. Wir wissen nicht viel davon, er ist gescheitert. Aber die Eifeler Sprache hat uns etwas über das Maß der Unterdrückung und Ausbeutung der Römer überliefert.
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Die Bauern hatten schwere Abgaben an Vieh, Getreide und anderem an die Römer zu leisten. Kamen sie mit ihren Abgaben zeitlich oder mengenmäßig in Rückstand, dann kamen die Besatzer monieren (monere = ermahnen). Sie monierten die verspätete oder ungenügende Ablieferung. Der Ausdruck hat sich bis heute erhalten. Eine schlechte Ernte oder Notlage kümmerte die Besatzer nicht. Was sie nicht freiwillig bekamen, nahmen sie sich. Wenn die Tribut-Lieferung trotz Monierung die geforderte Soll-Auflage nicht erreichte, kamen sie „nostere". Sie stülpten in den Häusern alles auf den Kopf und nahmen mit was ihnen paßte. „Nostra", sagten sie einfach, oder ,,Noster", das genügte. Nostra, noster = unser. Nostere sagt man heute noch, wenn jemand alles durchsucht. „Do net nostere" heißt, tue nicht alles durchsuchen. In diesem Ausdruck lag all das Bitten und Flehen an den Vollstrecker, es doch genug sein zu lassen. Wahrscheinlich umsonst. Dabei mußten die Bauern in ihren Äußerungen sehr vorsichtig sein, denn die Römer fackelten nicht lange. Wer den Verdacht der Aufsässigkeit erregte, konnte froh sein, als Sklave verschleppt und nicht sofort an Ort und Stelle niedergestochen zu werden. Solche Bilder sind uns auf Münzen gut bekannt. Kaiser Diocletian (284-305) erkannte die Schwierigkeiten, das Riesenreich vom Schwarzen Meer bis nach Schottland allein zu regieren. Er teilte es deshalb in 12 Diözesen (= Verwaltungsbezirke) und die Regierung in eine Viererherrschaft (Tetrarchie). Seine Mitkaiser im Westen wurden Maximianus (286-305) und Constantius I. (305-306), der Vater von Konstantin I.(307-337). Von letzterem finden wir wieder Münzen auf dem Hochkelberg. Der Ordnung halber sei an dieser Stelle erwähnt, die kurze Regierungszeit einiger Kaiser wird im  Rahmen dieser Abhandlung übergangen. Im Jahre 293 wird Trier amtlicher Regierungssitz der westlichen Provinzen. Im gleichen Jahr wird die Münzstätte dort wieder eröffnet. Die Münzen tragen auf der Rückseite im Abschnitt unten das Zeichen TR, wie die heutigen Autokennzeichen von Trier. Davor oder dahinter steht häufig der Buchstabe P (für Prima) oder S (für Secunda), je nachdem die Münzen in der ersten (P) oder zweiten (S) Münzschmiede hergestellt wurden. An diesen Buchstaben erkennt man die in Trier geprägten Römermünzen. Andere Buchstabenkombinationen können wir hier übergehen, sie sind seltener. Von den 26 bisher bekanntgewordenen Fundmünzen vom Hochkelberg sind 14 mit Sicherheit in Trier geprägt worden. Sie tragen die Buchstaben PTR, TRP, STR und TRS. Eine Münze von Constantin I. trägt die Buchstaben PTRE. Konstantin I. wurde nach dem Tode seines Vaters zum Kaiser (Augustus) ausgerufen. Die erste Hälfte seiner langen Regierungszeit war mit inneren Machtkämpfen ausgefüllt. Er zerschlägt das Vierer-System Diocletians, um allein zu herrschen. 324 n. Chr. hat Konstantin I.. alle seine Konkurrenten beseitigt und wird damit alleiniger Herrscher über das Gesamtreich. Im gleichen Jahr verlegt er seinen Regierungssitz von Trier nach Byzanz. Er gibt dieser Stadt später seinen Namen: Konstantinopel, heute Istanbul. Konstantin I. wird allgemein „der Große" genannt. Es gibt aber genügend Quellen, die ihn gar nicht groß erscheinen lassen, sondern ihn als menschlich minderwertig einstufen, als: „machtgierig, mißtrauisch, eitel, prunksüchtig, falsch, wortbrüchig, skrupellos und grausam". Ein Herrscher mag zwar hart, aber er muß nicht grausam sein. „Konstantin war als Mensch so minderwertig, daß man sich in der Antike lange umschauen muß, um einen ihm gleichwertigen zu finden. Selbst Nero verblaßt ihm gegenüber. Daß dieser Mensch Christ wurde, ist nicht etwa seiner Überzeugung, sondern seiner Berechnung zuzuschreiben". Wenn man weiß, er hat nicht nur die Vierer-Herrschaft Diocletians zerschlagen und seine
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Mitkaiser beseitigt, sondern auch seinen ältesten Sohn und seine Ehefrau ermorden lassen, dazu „vor den grausamsten Maßnahmen nicht zurückgeschreckt ist und in der Trierer Arena fränkische Fürsten nebst vielen Gefangenen den Bestien vorwerfen lassen", dann ist man geneigt, dieser negativen Beurteilung zuzustimmen. Unter der Regierung von Konstantin I. gab es mehrere Währungsreformen, das heißt mehrere Geldverschlechterungen. Ohne sich mit Einzelheiten zu befassen, erkennt man das ganz leicht an Größe und Gewicht. Während seiner Regierungszeit verringert sich zum Beispiel die Follis-Münze von anfangs grob 10 Gramm Gewicht bis auf unter 3 g und der Durchmesser von grob 3 cm auf unter 18 mm. Während der langen Regierungszeit von Konstantin I. wurden die Bergstützpunkte im Land wie-   der befestigt und besetzt, also auch der Hochkelberg, wie unser Münzfund eindeutig beweist.  Die bei einer Raubgrabung 1934 gefundene Follis-Münze von Konstantin I. wurde zwischen 320- 324 in Trier geprägt. Die Vorderseite zeigt die belorbeerte Büste Konstantins nach rechts mit  Festgewand und Zepter. Die Rückseite preist eine glückliche Friedenszeit, die Beata Tranquillitas.  Drei Sterne teilen die Umschrift oben. In der Mitte der Münz-Rückseite steht ein Altar mit  Weltkugel obenauf und einer Inschrift am Altarstein vorn: VOTIS XX. Die Vota (Votis) waren feier- liche Versprechen, Gelübde, die der Kaiser beim Regierungsantritt bzw. zu Beginn einer Fünf- oder Zehnjahresfeier ablegte. Er versprach z. B. Geschenke, Denkmäler, Festlichkeiten und  Opferhandlungen. Solche Versprechen mußten eingelöst werden, ehe der Kaiser neue Gelübde  ablegen konnte. Den Gelübden (= Votis) für eine zwanzigjährige Regierungszeit ist die  Altarinschrift auf unserer Münze Kaiser Konstantins I. gewidmet. Das Zeichen STR im Abschnitt  unten weist sie als Trierer Prägung aus. Die 1976/78 gefundenen Follis-Münzen des Constantius II. wurden einige Jahre später (330-335) ebenfalls in Trier geprägt. Ihre Rückseiten preisen den Ruhm des Heeres. Die Rückseiten der Römermünzen erfüllten übrigens eine wichtige politische und religiöse Aufgabe. Sie dienten der Propaganda, der Meinungsbildung und der Information. Sie verkündeten ebenso den Glauben an Götter wie kaiserliche Taten, militärische Erfolge und Regierungsprogramme. Im Vergleich nehmen sich dagegen die einförmigen Rückseiten unserer heutigen Münzen recht langweilig aus. Konstantin I. ist am 22.5.336 n. Chr. gestorben. Seine drei Söhne, Konstantin II., Constans und Constantius II. wurden zum Augustus (= oberster Herrscher) ausgerufen. Sie teilten sich das gewaltige Reich. Follis-Münze des Kaisers Kon- stantin I. (307 – 337)  geprägt in Trier 320 - 324,  Ø 18 mm, Katalog-Nr.  Coh. 18,  RIC 370, VS.: belorbeerte Büste des Kaisers nach rechts, mit Festgewand und Zepter. Rs.: Altar mit Weltkugel und Gelübde-Inschrift, darüber drei Sterne.
Der älteste noch lebende Sohn, Konstantin II. (337-340) erhielt Spanien, Gallien und Britannien, also das heutige Europa westlich des Rheins. Er regierte in Trier. Bereits 317, im Alter von zwei Jahren, war Konstantin II. zum Caesar (Kronprinzen) ernannt worden. Mit 18 Jahren erwarb er sich die ersten Lorbeeren im Kampf gegen die Goten. Nach der Reichsteilung geriet er aber bald mit seinem jüngeren Bruder Constans in Streit. Als er 340 in dessen Gebiet in Italien einfiel, wurde er aus einem Hinterhalt überfallen und getötet. Constans (337-350) war der jüngste Sohn Konstantins I. Er wurde um 320 n.Chr. geboren und 333 zum Caesar ernannt. Bei der Reichsteilung erhielt er Italien, einen Teil Nordafrikas und den Balkan als Herrschaftsgebiet zugewiesen, übergab aber 339 einen Teil des südöstlichen Balkans an seinen Bruder Constantius II. (etwa das heutige Bulgarien und den europäischen Teil der Türkei). Nach seinem Sieg über den älteren Bruder Konstantin II. im Jahre 340 wurde Constans Alleinherr- scher über die westliche Reichshälfte. Ein Jahrzehnt lang gelang es ihm, seine Herrschaft zu be- haupten. Im Jahre 343 bekämpfte er mit Erfolg die Pikten und Skoten (Ureinwohner Schottlands),  als diese den Hadrianwall (Wall des Kaisers Hadrian 117-138) im Norden Englands überrannt  hatten. Das Jahr 350 war ein Schicksalsjahr. Während er sich in Gallien angeblich auf einem Jagdzug be- fand, wurde ihm die Nachricht überbracht, daß der in der römischen Armee dienende fränkische  General Magnentius sich in Autun (Frankreich) gegen ihn erhoben habe, und die Legionen des  Heeres würden ihm begeistert folgen. Constans, der den Beruf des Soldaten mißachtet hatte und  auch bei der Zivilbevölkerung wegen hoher Steuerabgaben nicht sehr beliebt war, geriet in Panik  und floh in Richtung Spanien. Aber noch bevor er die Pyrenäen überqueren konnte, wurde er  gefaßt und getötet. Constans und Constantius II. hatten 346 gemeinsam eine Währungsreform durchgeführt, in der die kleinen Folles abgeschafft und wieder größere Bronzemünzen geschaffen wurden. Der Fund vom Hochkelberg enthält zwei solcher Münzen von Kaiser Constans, eine davon wurde in Trier geprägt. Sie ist noch sehr schön erhalten, von einem leichten Randausbruch abgesehen. Über die genauen Münzbezeichnungen (Maiorina, Centenionalis u. a.) herrscht bis heute jedoch keine völlige Klarheit. Daher hat sich vielfach eine Durchmesserangabe nach mm eingebürgert, oder man folgt der vierstufigen Einteilung nach den Zahlen 1-4. Davor setzt man die Buchstaben AE. AE bedeutet verkürzt Aes = Bronze (Münze). Statt reduzierte Folles, Doppelmaiorina, Centenionalis und Halbcentenionalis bezeichnet man  Münzen über 25 mm Durchmesser als AE-1, zwischen 21-25 mm als AE-2, zwischen 17-21 mm als AE-3und kleiner als AE-4. Nach diesen Größeneinteilungen lassen sich alle spätrömischen Kupfermünzen etwa ab  Konstantin I. leicht einteilen. Aber kehren wir zu der Niederlage des Kaisers Constans zurück.  Der erwähnte Franken-General Magnentius (350-353) hatte gesiegt. Es war ihm gelungen, die  Herrschaft Constans 350 zu stürzen, in dessen Armee er sich bis zum General emporgearbeitet  hatte, durch besondere Tapferkeit ausgezeichnet. Daher gelang ihm rasch allgemeine  Anerkennung der meisten westlichen Provinzen. Die Münzstätte Trier prägte seit 350 für ihn. Die  auf dem Hochkelberg gefundenen Münzen des Magnentius stammen aus den Prägestätten Trier,  sowie Amiens, Arles und Lyon/Frankreich.
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Magnentius bemühte sich anfangs auch um die Anerkennung durch den Ostkaiser Constantius II. (337-361). Aber der dachte nicht daran. Wie könnte er einen Feind der konstantinischen Familie anerkennen? Die Söhne Konstantins I. waren aus kaiserlichem Geblüt, sie hatten die beste Erziehung genossen. Und er, Constantius II., der letzte dieser Söhne, sollte einem hergelaufenen Barbaren als gleichberechtigtem Kaiser die Hand reichen? Niemals! Hatte dieser Emporkömmling doch gewagt, sich gegen das Haus Konstantins zu erheben und dessen Sohn und rechtmäßigen Kaiser Constans gestürzt und getötet. Constantius II. ging unverzüglich daran, seine Offensive gegen Magnentius vorzubereiten. Er zog seine Legionen zusammen und ließ zur Verstärkung seiner Schlagkraft germanische Söldner von der rechten Rheinseite anwerben, welche, zumindest teilweise, selbständig operierten. Sie leisteten in unserer Gegend jedenfalls gründliche Arbeit: Sie eroberten nicht nur die Stützpunkte und Bergbefestigungen des Magnentius, sie plünderten auch die Siedlungen in der Umgebung. Die Bauern mußten sich in den Wäldern in Sicherheit bringen und ohnmächtig zusehen, wie ihre Felder verwüstet wurden, ihre Häuser dem Erdboden gleichgemacht oder verbrannt und ihr Vieh abgeschlachtet wurde. Es waren furchtbare Zeiten. Bei den Legionen diente gleichfalls Decentius, ein Bruder oder Vetter des Magnentius. Nach dessen Erhebung wurde Decentius 351 zum Caesar (Kronprinzen) ernannt. Auch in seinem Namen wurden Münzen geschlagen. Der Fund vom Hochkelberg enthält drei Münzen, die im Namen des Kronprinzen Decentius geprägt wurden. Die Rückseiten dieser Münzen feiern die Siege bzw. sind dem Heil beider Herrscher gewidmet. Eine weitere Münze aus der Raubgrabung von 1934 ist nach der Zeichnung so schlecht erhalten, daß man nicht genau sagen kann, ob sie im Namen des Magnentius oder des Decentius geprägt wurde. Die klar bestimmten Münzen des Decentius sind als Schlußmünzen zu bezeichnen. Sie wurden zwischen 351-353 in Trier geprägt. Bei einer ist der linke Rand der Vorderseite etwas ausgebrochen. Die Münzen sind von der Katastrophe des Zusammenbruchs der Magnentius-Herrschaft 353 n. Chr. gezeichnet. Bei 16-facher Vergrößerung erkennt man ganz deutlich Brandspuren. Die schwarz verkohlte Oberfläche wechselt mit hellen winzigen (Blei-)Spritzern. Diese Merkmale und andere Fundumstände zeugen von einer gewaltsamen Zerstörung und lassen daher den Schluß zu, daß im Jahre 353 auf dem Hochkelberg ein Entscheidungskampf zwischen den Anhängern des Magnentius/Decentius und denen des Constantius II. ausgetragen wurde. Da Decentius am 18. August 353 Selbstmord beging, wird der Kampf wohl vor diesem Datum stattgefunden haben.
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Maiorina-Münze des Kronprinzen Decentius unter dem Rebellenkaiser Magnentius, geprägt in Trier 351/353,  Ø 25 mm, Katalog-Nr.  Coh. 15. VS.: Büste d. Dementius nach rechts. Rs.: großes Christrogramm zwischen den griechischen Buchstaben Alpha und Omega. Fundort: Hochkelberg. (Film 85 em)
Magnentius und Decentius begingen beide im August 353 Selbstmord. Constantius II. war Sieger. Er beauftragte seinen Vetter Julian nunmehr mit der Säuberung Galliens, also auch der Eifel, von den Barbaren (Germanen). „Zahllose Germanen", schreibt Julian nach der Rückeroberung, „hatten sich schon völlig ungehindert im Land der Kelten in der Umgebung der zerstörten festen Plätze niedergelassen. Die befestigten Schutzwälle von etwa 45 Städten - feste Türme und Befestigungen von geringerer Bedeutung nicht mitgerechnet - waren von ihnen zerstört worden. Die uns nächste feindliche Verschanzung befand sich 300 Stadien vom Rhein entfernt." Das Stadion (lat. Stadium) war ein antikes Längenmaß von etwa 185 Meter. Umgerechnet ergibt dies eine Länge von 55 km. Das ist genau die Entfernung zwischen Rhein und Hochkelberg. Die Angaben Julians treffen also auf den Höhenzug Höchstberg-Hochkelberg-Nürburg zu, auf dem sich die Germanen seit 353 n. Chr. verschanzt hatten, und von wo sie ihre Beutezüge nach Gallien bis weit über Trier hinaus unternahmen. „Dreimal so weit (wie die Entfernung Rhein-Hochkelberg) war die durch sie (die Germanen) verwüs-tete Fläche, die sie zwischen sich und uns geschaffen", berichtet Julian. „Die Kelten konnten dort nicht einmal mehr ihre Herden weiden lassen, und selbst aus Städten, die von der Invasion verschont geblieben, war die Bevölkerung ausgewandert." Sein Lehrer Libanios schildert uns noch nähere Einzelheiten über die Zerstörung der heute wüsten Siedlungen: „Die Germanen schleppten alle Wertgegenstände, Frauen und Kinder mit sich fort; die Gefangenen folgten dem Zug, ihr Gepäck auf dem Rücken. Wer untauglich war als Sklave, wer sich nicht damit abfand, Frau oder Tochter vergewaltigt zu sehen, wurde in seinem Jammer erwürgt. All unsere Habe nahmen sie mit sich, und während die Sieger unsere Ernte selbst abmähten, ließen sie die Gefangenen die Äcker des eigenen Landes bearbeiten. Diejenigen Städte, die dank der Widerstandsfähigkeit ihrer festen Mauern von den Eindringlingen verschont geblieben waren, hatten nur ganz wenig Ackerland zur Verfügung. Und obzwar die Einwohner alles und jedes irgendwie Eßbare zu verwerten suchten, kamen doch viele vor Hunger um. Schließlich entvölkerten sich diese Städte derart, daß der leergewordene Raum wieder zum Felde wurde, das man bestellte, und die freien Flächen innerhalb des Stadtgürtels zur Ernährung der verbliebenen Bevölkerung ausreichte. Hier wurden Ochsen ins Joch gespannt, es wurde gepflügt, gesät, Korn geerntet, Schnitter und Drescher waren am Werk, und alles dies innerhalb der Stadttore. Es war schwer zu entscheiden, wer größeres Leid erfuhr: die nach Germanien verschleppten Gefangenen oder die in der Heimat Verbliebenen." Als Julian im Februar 360 von seinen Truppen zum Augustus ausgerufen wurde, war der Rhein wieder Grenze geworden. Hundert Jahre nach diesen Ereignissen brach das Römische Weltreich endgültig zusammen. Man- ches wurde neu aufgebaut, vieles blieb aber zerstört liegen bis auf den heutigen Tag.
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Kurze Einführung der Kelten-und Römermünzen bei uns  Keltenmünzen Die Kelten prägten bei uns das erste Geld. Es waren Münzen aus Gold, Silber, Billon und Potin (eine zinnhaltige Bronze), geschlagen oder gegossen nach griechischen und römischen Vorbildern. Ihre Münznamen und Wertverhältnisse kennen wir nicht, denn die Kelten haben uns keine handschriftlichen Zeugnisse hinterlassen. Fundmünzen auf dem Martberg bei Pommern an der Mosel tragen die Aufschrift ARDVA.  Römermünzen Besser unterrichtet sind wir über Römermünzen, gehörte die Eifel doch rund 500 Jahre zum Römerreich, nämlich von der Mitte des ersten vorchristlichen Jahrhunderts bis um die Mitte des 5. Jahrhunderts nach Christus.  Es galten vom 1.-3. Jh. n. Chr.: 1 Aureus (Gold) 	=    	25 Denare (Silber) 1 Denar 	=    	4 Sesterze (Messing/Bronze) 1 Sesterz 	=    	2 Dupondien (Bronze/Messing) 1 Dupondius 	=    	2 Asse (Kupfer) d.h.: 1 Denar 	=    	4 Sesterze = 8 Dupondien = 16 Asse.  214-294 wurde der sogenannte Antoninian geprägt. Von Kaiser Caracalla eingeführt, war er  zuerst ein doppelter Silberdenar, etwa so groß wie unsere 1-DM-Münze. Im Verlauf weniger  Jahrzehnte verringerten sich Durchmesser; Gewicht und Silbergehalt immer mehr. Unter Gallienus  und seinem Nachfolger Claudius II Gothicus, finden wir die Antoniniane nur noch als geringfügig  versilberte Kupferstückchen oder gar als bloße Kupferstückchen von ca. 1-2 Pfennig-Größe.  Im Gallischen Sonderreich gilt das gleiche für die Kaiser Victorinus und Tetricus. Vor allem aus  dieser Zeit stammen sogenannte „barbarisierte" Prägungen als Notmünzen. Man erkennt die Antoniniane der Kaiser leicht an der Strahlenkrone. Kaiser Aurelian (270-275) wertet den 	Antoninian wieder auf. Durchmesser, Gewicht und Silbergehalt nehmen wieder zu. Nach 	der Münzreform Diocletians 294 verschwindet der Antoninian. Der neue Münztyp ist der Follis. Die Folles waren in der Regel silbrige Bronzemünzen von etwa 3 cm Durchmesser und ca. 10  Gramm Gewicht. Der geringe Silberanteil verschwindet aber mit der Zeit. Auf der Münzrückseite, im Abschnitt unten, wird künftig der Prägeort durch Buchstaben leicht erkennbar angegeben. Die in Trier geprägten Münzen haben die Buchstaben TR, wie die heutigen Autokennzeichen von Trier. Davor oder dahinter finden wir meist die Buchstaben P oder S als Kennzeichnung der Prägestätten Prima oder Secunda. An diesen Buchstaben-Kombinationen erkennt man die Trierer Römermünzen. Es gibt auch ande- re, aber diese sind die häufigsten. Im Laufe der Regierung Kaiser Konstantins I. (307-337) wird der Follis bis auf ein kleines  Bronzestück heruntergewertet, das schließlich weniger als 3 Gramm wiegt und unter 18mm Durchmesser hat.
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Ausschnitt aus der topographischen Karte Kelberg Nr. 5707 Plan 56a
Die Kaiser Constans und Constantius II. führen 346 eine Münzreform durch, die wieder größere Münztypen schafft: die Maiorina bzw. den Centenionalis. Der Einfachheit halber hat sich aber für spätrömische Kupfermünzen allgemein ab Konstantin I. eine Benennung nach der Größe eingebürgert. AE-1 = über  25 mm 	Ø 	AE-2 = über  21 mm Ø AE-3 = über  17 mm 	Ø 	AE-4 = unter 17 mm Ø Daneben gab es Gold- (Solidus, Semissis, Tremissis) und Silbermünzen (Miliarense und Siliqua). AE bedeutet Aes = Bronze. Lit.: Währungen in der Eifel, Eifeijahrbuch 1992, 109ff, e.m. Der Barsberg, aus„Spätrömische Höhensiedlungen  in Eifel und Hunsrück“  Dissertation von Karl-Josef Gilles  Vorgeschichtliche Befestigungsanlagen mit unbedeutenden spätrömischen Siedlungsspuren    Bongard, Kr. Daun  BARSBERG B 1
Lage 870 m ö Kirche Bongard, 50.100 m über dem umliegenden Gelände, 599,6 m NN. TK 25, 5707  Kelberg, r 60450, h 73440.  Beschreibung (mit Untersuchungen) Basaltkegel mit unebener, beinahe dreieckiger Gipfelfläche. Längsachse N-S 175 m, Querachse  W-0 bis 130 m, Siedlungsfläche ca. 1,2 ha.  Um die gesamte Gipfelfläche zieht sich ein bis zu 7 m hoher Basaltwall. Innen schließt etwa in der Mitte der 0-Seite ein zweiter, später nach NW abwinkelnder Wall an. Dicht an einer den Innenraum beherrschenden, teilweise bearbeiteten Felsgruppe brunnenartige, Ende des vorigen Jahrhunderts weitgehend verfüllte Vertiefung, vermutlich Zisterne. - Im NW ist der Außenwall durch älteren Steinbruch gestört. - Versuchsschnitte im 0 gaben keinen Aufschluß über Maueraufbau oder die Existenz eines  Grabens428. - Vorgeschichtliche und spätrömische Oberflächenfunde. 1050 m nw Siedlungsstelle, wohl Villa, mit spätrömischen Kleinfunden429, dicht ö „ober dem  Henkesberg" Grabhügel, worin 1891 eine Aschenkiste u. a. mit einem Doppelhenkelkrug Gose 412	geborgen wurde430. -420 m SW „Op der Holl“ zwei kleinere Grabhügel, daraus zwei  Tongefäße (römisch ?)431. -Größeres Hügelgräberfeld mit mindestens 16 Grabhügeln 650 m nö an älterem (?) Straßenzug432.   Funde 1)Lesefunde von der Innenfläche, LMB 32932 und 36,631: 1 Rs wie 39, 1 Rs wie 61 B (Eifelkeramik), spätrömische, rot engobierte und rauhwandig-tongrundige WS (Mayener Ware), Brst. einer verdrückten Eisenglocke (Größe nicht feststellbar) und 1 Rs der späten Urnenfelderkultur  2)Lesefunde vom n Drittel der Innenfläche, LMT 76,211: 1 Rs wie 38 B, spätrömische rauhwandig-tongrundige BS und WS, Ziegelfragmente, Eisennagel  und eine atypische vorgeschichtliche WS  Zeitstellung Die zweifellos bereits in vorgeschichtlicher Zeit errichtete Befestigung wird vermutlich im 2. und  in der 1. Hälfte des 4. Jahrhunderts erneut aufgesucht. Literatur: Hagen, Römerstraßen 274.  Die Eifel 40, 1939, 63ff. KD Kr. Mayen 1 (Düsseldorf 1941)202. Trierer Zeitschr. 40/41, 1977/78, 406; 43/44, 1980/81, 4iof.  428 OA ADK. 429 Bonnerjahrb. 142,1937,232. Eine kleinere Münzreihe mit Schwerpunkt in constantinischer Zeit schließt mit Prägungen  des Magnentius. Vgl. Trierer Zeitschr. 43/44, 1980/81, 411ff. 430 Trierer Zeitschr. 43/44, 1980/81, 411.  431 Ebd 432 Ebd 415.
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Der Barsberg in der wissenschaftlichen Publikation von Karl-Heinz Koch und Reinhard Schindler,  Vor- und frühgeschichtliche Burgwälle des Reg.Bez. Trier u.a.    Bongard, Barsberg  Plan 56 Gemeinde 	Barsberg Kreis 	Daun Lagebezeichnung Laey-Berg (Tranchot-Karte 144>, Barsberg Top. Karte 	Kelberg Nr. 5707 Koordinaten 	r 25 60 440, h 55 73 430 Geol. Untergrund Tertiär, Basalt Nutzungsart 	Holzung (Buchenbestand) Befestigungstyp 	Ringwall Fläche 	a) - m', b) 330 m2, c) 1425 m2, insges. 175,5 ar Vermessung 	1936 (Wolff)  Pläne 1936: Top. Lageplan M. 1:1000 (Wolff) 1978: Top. Lageplan M. 1:1000 nach Wolff von 1936 (Koch)  Literatur (1)Hagen, Römerstraßen 1931, 274  (2)Ortsakte Bongard 1935 (Ber. v. Uslar)  (3)Ortsakte Bongard 1938 (4)H. Bauer, Das Naturschutzgebiet Barsberg: eine Kultstätte unserer Ahnen.  Die Eifel 40, 1939, 63~5 (5)J. Busley/H. Neu, Kdm. Mayen I 1941, 202  (6) v. Uslar, Ringwälle 1953, 131 Nr. 48 (7)Jahresber. 1974/77. Trierer Zeitschr. 40/41, 1977178, 406 (8)W. Schönhofen, Der Ringwall auf dem Barsberg. Jahrb. d. Kr. Daun 1980, 62-63  (9)Mertes, Kelberg 1980/81, 410-411 10)Gilles, Höhensiedlungen 1985, 70; 224-225 Forschungsgeschichte Die Lehrer Beyer und Manderscheid berichten in einer Schulchronik über Ringwälle bzw. eine römische Warte auf dem Barsberg. Hagen (1) schreibt dies und glaubt, daß von hier aus die vorbeiführende Römerstraße überwacht wurde. Bis zur Gebietsrefom 1969 wurde die Anlage vom Landesmuseum Bonn und vom Landesamt für Denkmalpflege Koblenz betreut, und so enthalten die heute dem Landesmuseum Trier übergebenen Ortsakten (2 u. 3) erste Hinweise und Beschreibungen über diesen befestigten Platz. Im Sommer 1936 wurde die Anlage von Wolff vermessen, und der von ihm gefertigte Plan ist Grundlage für den hier abgebildeten Plan Nr. 56.
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Funde Mertes (9) listet 1980 die archäologischen Fundstellen in der Verbandsgemeinde Kelberg auf und nennt von dieser Stelle: a) umenfelderzeitliche und b) Funde der spätrömischen Zeit. Die Funde beschreibt Gilles in seinen Untersuchungen (10).  Zeitliche Einordnung Die zweifellos bereits in vorgeschichtlicher Zeit errichtete Befestigung wird vermutlich im 2. Jahrhun-dert oder in der 1. Hälfte des 4. Jahrhunderts erneut aufgesucht (10).  Beschreibung In der Nähe des Forsthauses Barsberg, rd. 500 m östlich vom Ortsrand entfernt, erhebt sich ein kegelförmiger Basaltberg, dessen Gipfelfläche mit platten- und säulenförmigem Basaltgestein überdeckt ist. Ein Ringwall schützt das dreieckige Burgplateau, an dessen Spitze im Süden ein turmartiger Basaltblock eine Aussichtsplattform bildet. Das Steinmaterial der beiden Wallschenkel auf der Ost- und Westseite streut sehr weit hangabwärts, so daß die Wallböschung, als Keilstrich dargestellt, die eigentliche Wallhöhe und Breite nicht deutlich zeigt. Zweiseitig geböscht, hat der westliche Wallkörper von innen gemessen eine Höhe von 0,50 bis 0,80 m. An der nördlichen Längsseite beginnt der nach zwei Seiten ausgebildete Wall etwa nach 80 m, erreicht in der leichten Nordostbiegung von innen gemessen 1,30 m Höhe und endet doppelseitig geböscht in der Mitte der östlichen Längsseite an einem Basaltfelsblock. Hier schließt ein zweiter Wallriegel unterschiedlicher Breite und Höhe an, der 60 m in westliche Richtung verläuft und dann fast rechtwinklig nach Nordwesten abbiegt. Damit ist die Anlage zweigeteilt. Der Zugang liegt auf der Westseite. Hier sind in der alten Wegeführung
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GESCHICHTLICHES
Bongard, Barsberg Plan 56
die Wallschenkel so versetzt, daß eine Gasse von 4 m entstand. Ein 5 m breiter und 20 m langer Graben zerstört den Wall- und Torbereich, genau wie der Steinbruch am äußersten Nordwestrand. Auf dem Weg von Osten gelangt man verhältnismäßig leicht und schnell in den Innenraum der Anlage. Dieser Weg ist jüngeren Datums. Er schneidet die vier Terrassenstufen, die als Wall markiert sind, und durchbricht auch den inneren Wallriegel bei Höhe 600 m ü. NN. 10 m hinter den herausragenden Basaltblöcken auf der Hochfläche finden wir die 8 bis 10 m breite Senke, die als Brunnen oder Zisterne erwähnt wird. Vorgeschichtlicher Ringwall Barsberg bei Bongard von Matthias Reuter  hier: Auszug aus: Beiträge zur Geschichte der Hocheifel, Land zwischen Adenau und Daun, Schleiden 1979.  Äußerer Wall ca. 600 m lang, mit Außentoren in Westflanke und Südost-Flanke; letzteres ca. 25 m neben Südwest-Spitze und dort befindlichem Felsturm. Von diesem Zugang führt eine Torgasse zur Hochfläche. Innerer Wall ca. 150 m lang; 2 ringförmige, steingefaßte Vertiefungen in der Mitte dieses von Ost nach West verlaufenden Riegels deuten auf Turmreste hin. Ein weiterer Turmrest jüngeren Datums nordöstlich des Außentores der Westflanke. Auf der Höhe ein Basaltblock; an der Westseite ca. 20 m breit und 4 m hoch, an der Ostseite ca.  10 m breit und 5 m hoch. Ca. 20 m entfernt inmitten der Hochfläche war der Ende des 19. Jh.  zugeschüttete Brunnen, runde Vertiefung von mehreren m Durchmesser, noch erkennbar.  In der Vorburg ziehen sich von der Ostflanke des äußeren Ringes her drei ca. 30-40 m lange  Steinwälle in Richtung Westflanke. Die zwischen den Wällen liegenden, ca. 15 m breiten  Geländestreifen sind planiert. Man vermutet, daß dort Viehställe und Hütten für Notzeiten stan- den. Fachleute halten den Ringwall für eine frühkeltische Anlage (ca. 500 v. Chr.). Das Naturschutzgebiet Barsberg  Im Kreis Daun, zwischen den Dörfern Gelenberg, Bongard und Bodenbach gelegen, erhebt sich, erd- und naturgeschichtlich, und geschichtlich von gleicher Bedeutung, der fast 600 Meter hohe Basaltkegel des Barsberges. Die Größe dieses Schutzgebietes, das unter Natur- und Land-schaftsschutz steht, ist mit 14,83 Hektar angegeben. Der Barsberg ist eine alte Kultstätte. In der Mitte der Bergkuppe etwa, erhebt sich ein durchgestoßener Basaltblock von zweimal 23 m Länge. Er ist auf der Ostseite 10 m breit und 5 m hoch, auf der Westseite beträgt seine Breite ca. 20 m bei einer Höhe von 4 m. Nach Norden hin fällt der Basaltblock allmählich ab. Die sechseckigen
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Basaltsteine   auf   der   Südseite   sind   wahrscheinlich   zum   Bau   der Barsbergbefestigungen   verwandt   worden.   Nach   Meinung   der A r c h ä o l o g e n   war     dieser    Basaltblock    eine    B e f e s t i g u n g / K u l t s t ä t t e der   frühgeschichtlichen   Bewohner   dieser   Gegend,   zumal   wir   ja auch     heute     noch    auf     vielen    K up p e n    unserer    Eifelvulkane    christli - che     K i r c h e n   und     K a p e l l e n   vorfinden,    die    bekanntlich     häufig     die   vorchristlichen    K u l t s t ä t t e n   ablösten,     um     dem    C h r i s t e n t u m   leich - teren     Eingang    in    die    Bevölkerung    zu    verschaffen.     Hier    sei     der    Heyerberg    bei    Borler    mit    der    Heyerbergkapelle,    sowie    der Schwarzenberg    bei    K el b er g   genannt. Die Bäume auf dem Barsberg sind alle über 180 Jahre alt, die  Überhaltbuchen bereits über 300 Jahre. Rätselhaft ist, daß die  Esche, die sonst nur auf feuchtem Boden gedeiht, hier auf jedem  Basaltblock wächst. V i e l f ä l t i g  ist auch die übrige Flora des  Barsberges. Neben vielen anderen Bäumen, Sträuchern und  Pflanzen findet man hier die Bergulmen, A h o r n ,  Weißdorn,  Holunder, Schneeball, Seidelbast, wilde Stachelbeere und Johan- nisbeere, wilde K i r s c h e n ,  Haselnußstrauch und Hainbuche.  A u ß e r d e m  kann der Besucher hier den A r o n s t a b ,  L e r c h e n s p o r n , Wurm- und A dl e rf a r n ,  Sternmiere, Hundsveilchen, Buschwind- röschen, Fuchskreuzkraut, Waldwachtelweizen, Weidenröschen, Storchschnabel, Springkraut, Baldrian und viele andere Blüten und Gräser mehr bewundern. Zu der eingangs erwähnten befestigten K u l t s t ä t t e  sei noch fol- gendes erwähnt. Das Heiligtum, welches sich auf dem durchge- stoßenen Basaltblock befand, ist von einer ca. 600 m langen  Ringmauer umgeben, die heute noch etwa einen Meter hoch ist,  früher jedoch, wie die Erhöhung auf der Südseite zeigt, wahr- scheinlich 6 bis 7 m erreicht hat. Hinter dieser Ringmauer, die  mit A u s n a h m e  eines T e i l s  der Nordseite vollständig erhalten ist,  war ein tiefer Graben, - dessen T i e f e  sich nur vermuten läßt,  den wir an der Nordostseite des Berges noch relativ gut erkennen können. Der äußere Ringwall ist oval, die Spitze zeigt nach Süden. V e r m u t l i c h  stand hier einmal ein Spähturm1 da hier die  V ul k a ns t ei ne noch circa 4 m hoch liegen. Von dieser Spitze etwa 8 0 m auf der Ostseite der äußeren Ringmauer in nördlicher  R i c h t un g ,  befindet sich die innere Ringmauer, die sich von Osten nach     Westen     zieht     und     mit    einer     L ä n g e   von    85     m    die    beiden    Seiten     der     äußeren     Ringmauer    verbindet.     Sie    bildet    mit    dem    naturgewachsenen     Basaltblock,    dem    sie    20     m    südwärts     vorgela - gert     ist,     ein    letztes     V e r t e i d i g u n g s w e r k .   In    der     Ringmauer    findet   man   zwei   große   Löcher   mit   einem   Durchmesser   von   3   bis   4   m und    einer    T i ef e    von    1    1/2     bis    2    m.    Diese    lassen    auf     irgendwelche   Festungsanlagen     bzw.    T ü r m e   schließen.     Ein    kleiner    T e i l   dieser    Ringmauer,    etwa     2    m,    ist    noch     unversehrt     erhalten.     Da    dieses
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Aronstab
Lerchensporn
Sternmiere